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Jörg Dittrich: Handwerks-Präsident fordert Kürzungen bei "Rente mit 63"

Handwerkspräsident Jörg Dittrich fordert, Frührentnern mehr abzuziehen. Dabei schaffen es gerade im Handwerk viele nicht bis zur Rente. Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, befürwortet es, den vorzeitigen Ruhestand teurer zu machen. Er halte es für notwendig, dass die Abschläge bei einem früheren Rentenbeginn steigen, sagte er der "Rheinischen Post". "Mir ist bewusst, dass ich damit auch bei einigen meiner Leute auf Ärger stoßen werde", sagte er. Es sei aber "unehrlich" zu behaupten, die Zwänge der Demografie gälten für alle, nur nicht für das Handwerk. Dittrich spricht dabei aus eigener Erfahrung. Er ist Dachdeckermeister. "Dachdecker schaffen es zu 90 Prozent nicht bis zur Regelaltersgrenze", sagte er. "Aber nicht alle Älteren in Deutschland sind Dachdecker." Als Gesellschaft müsse man das tatsächliche Rentenalter insgesamt anheben. "Geht nicht anders." "Einfach simple Mathematik" Der Handwerkspräsident zweifelt an der Reformfähigkeit der Politik. Viele in der Wirtschaft fragten sich, "ob wir überhaupt noch in der Lage sind, Reformen umzusetzen, die diesen Namen verdienen". Er fürchte, dass sich das Zeitfenster schon wieder schließe. Wegen der offenen Führungsfrage in der SPD und der NRW-Wahl im kommenden Jahr drohe Stillstand. Die Grundlage der Rente sieht Dittrich unter Druck. Das Umlageverfahren sei in seiner jetzigen Form aus demografischen Gründen nicht mehr finanzierbar, das sei "einfach simple Mathematik". Wer an allen bisherigen Ansprüchen festhalte, ohne die Finanzierung zu klären, komme nicht weiter. Viele machten es sich "mit pauschaler Ablehnung notwendiger Veränderungen zu leicht". Als Beispiel nennt er die Diskussion um die geplante Abschaffung der Rente für besonders langjährig Versicherte , umgangssprachlich "Rente mit 63" genannt. Dabei "soll es ja Vertrauensschutz und eine Übergangszeit von mehreren Jahren geben", so Dittrich. Auch zu anderen Teilen der Reform äußerte sich der Handwerkspräsident. Dass sich im Bundestag Widerstand dagegen regt, auch Abgeordnete in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen, nannte er knapp "unklug". Minijobs will er für Menschen erhalten, die sich etwas hinzuverdienen . Wer aber ausschließlich von Minijobs lebe und keine Sozialabgaben zahle, verhalte sich ungerecht gegenüber den Beitragszahlern. Bundesbank: Abschläge sind zu niedrig Auch die Bundesbank hält die geltenden Abschläge von 0,3 Prozent pro Monat für zu gering. Sie machten einen frühen Rentenbeginn attraktiver und belasteten die Rentenkasse finanziell. Die Notenbank schlägt vor, die Abschläge danach zu staffeln, wie weit der Rentenbeginn vom gesetzlichen Rentenalter entfernt ist. Für den Jahrgang 1964 wären es bei einem Rentenstart zwischen 63 und 64 Jahren 0,37 Prozent pro Monat. Was das bedeutet, zeigt ein Beispiel: Wer mit 65 statt mit 67 in Rente geht, müsste nach der Rechnung der Bundesbank 9,7 Prozent Abschlag hinnehmen. Heute sind es 7,2 Prozent. Die Alterssicherungskommission der Bundesregierung sieht derzeit allerdings keinen zwingenden Bedarf, die Abschläge zu ändern. Zwei Wege in die Frührente Wer vor der Regelaltersgrenze in Rente gehen will, hat heute vor allem zwei Möglichkeiten : Die Rente für langjährig Versicherte (mit Abschlägen): Wer mindestens 35 Versicherungsjahre gesammelt hat, kann frühestens mit 63 Jahren in Rente gehen. Für jeden Monat vor der Regelaltersgrenze wird die Rente um 0,3 Prozent gekürzt, und zwar dauerhaft. Bei einem Rentenbeginn vier Jahre vor der Regelaltersgrenze sind das 14,4 Prozent. Die Rente für besonders langjährig Versicherte (ohne Abschläge): Wer 45 Versicherungsjahre erreicht, kann früher in Rente gehen, ohne dass die Rente gekürzt wird. Diese Rentenart ist als "Rente mit 63" bekannt, doch der Name stimmt längst nicht mehr. Die Altersgrenze steigt schrittweise. Ab dem Jahrgang 1964 liegt sie bei 65 Jahren. Was die Reformpläne vorsehen Die Alterssicherungskommission hat im Juni 2026 empfohlen, den abschlagsfreien Rentenbeginn nach 45 Jahren abzuschaffen . An seine Stelle soll eine "Schutzrente für langjährige Beitragszahler" treten. Sie ist für Menschen gedacht, die lange eingezahlt haben und kurz vor der Rente aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten können. Wer früher in Rente gehen will, muss dazu nach einer individuellen Gesundheitsprüfung nachweisen, dass er im zuletzt langjährig ausgeübten Berufsfeld nicht mehr arbeiten kann. Auch bei der Rente mit Abschlägen soll der früheste Rentenbeginn später liegen. Die früheste Altersgrenze soll zeitnah von 63 auf 64 Jahre steigen und danach parallel zur Regelaltersgrenze wachsen. Diese wiederum soll ab 2032 an die Lebenserwartung gekoppelt werden . Steigt die Lebenserwartung um ein Jahr, würde man acht Monate länger arbeiten und vier Monate länger Rente beziehen. Wer ab wann betroffen wäre, ist noch nicht entschieden. Ein internes Papier aus dem Arbeitsministerium sah vor, dass sich für die Jahrgänge 1964 bis 1966 nichts ändert. Für die Jahrgänge 1967 bis 1971 sollte ein besonderer Vertrauensschutz gelten, etwa für Menschen, die vor dem Kabinettsbeschluss verbindlich Altersteilzeit vereinbart haben. Ab Jahrgang 1972 entfiele der Anspruch. Das Ministerium nannte das Papier allerdings veraltet. Beschlossen ist bislang nichts. Wer heute eine Rente beantragt, für den gelten die bestehenden Regeln.

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