In Hamburgs Amateurfußball geht es seit Wochen um den Fall eines Spielers vom DSC Hanseat. Vier Vereine verweigerten das Spiel gegen den DSC, nun äußert sich der in Finnland Verurteilte selbst. Nach dem vierten Boykott eines Gegners in Folge hat sich ein Spieler des DSC Hanseat zum ersten Mal zu einer Kontroverse um seine Person und ein Gerichtsurteil in Finnland geäußert. Der Spieler des DSC aus der Bezirksliga Hamburg 2 wurde in Finnland wegen einer "sexuellen Handlung ohne Einwilligungsfähigkeit" gegen eine andere Person in zwei Instanzen verurteilt. Er zieht nun Konsequenzen: "Ich werde nicht mehr für Hanseat auflaufen", sondern "nach Finnland zurückkehren, um das laufende Strafverfahren von dort aus weiterzuführen." Der Spieler hofft nach wie vor auf eine Berufung vor dem Obersten Gerichtshof in Finnland. Dort wurde er jedoch sowohl in erster als auch in zweiter Instanz schuldig gesprochen. Das zweite Gericht verschärfte seine Strafe sogar noch und entzog die Bewährung bei der Haftstrafe. Die Frist zur Einreichung der Revision endet am 30. November, mindestens bis dann bleibt das aktuelle Urteil bestehen. Nach Tod von Spanien-Profi: Uefa ordnet Schweigeminute für alle Spiele an Auf dem Weg zu Olympia : Hammerlose für Deutschland Die Hamburger Polizei hatte den Spieler des DSC Anfang Oktober während eines Spiels gegen den HSV III verhaftet. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Verurteilung bekannt, sie soll jedoch laut Polizei nicht der Grund für die Festnahme gewesen sein. Am selben Abend wurde der Spieler von der Polizei wieder freigelassen. DSC Hanseat äußerte sich im Nachhinein der Verhaftung gegenüber "Fupa". Dem Verein sei das Verfahren in Finnland bekannt gewesen, der Spieler habe jedoch seine Unschuld beteuert. "Danach haben wir uns im Vorstand entschieden, ihm zu vertrauen und ihn bei uns spielen zu lassen, bis das Rechtsverfahren abgeschlossen ist", erklärte DSC-Präsident Ulrich Bunsmann. Der Präsident stellte aber auch klar, dass sich der Verein bei einer rechtsstaatlichen Verurteilung "sofort" von dem Spieler trennen würde. Die anderen Vereine der Bezirksliga 2 in Hamburg haben eine andere Auffassung der Sachlage. SV Uhlenhorst-Adler, TSC Wellingsbüttel, SC Alstertal/ Langenhorn und zuletzt der TSV Sasel II verzichteten allesamt auf die Partien gegen Hanseat. Dafür nahmen die teilweise direkten Konkurrenten in der Tabelle auch eine mögliche Geldstrafe und eine Spielwertung von 0:3 inklusive drei Punkten für den DSC in Kauf. Bisher ist unklar, wie der Hamburger Fußball-Verband die Spiele werten wird, beziehungsweise welche Strafen ausgesprochen werden. DSC Hanseat führt die Tabelle bei dem Portal "Fupa" mit 30 Punkten an, in der Wertung der Plattform sind allerdings zwölf Punkte auf die Spiele am grünen Tisch zurückzuführen. Sasel begründet den Rückzug auf Social Media Der TSV Sasel, der als Letztes die Partie verweigerte, postete in den sozialen Medien eine ausführliche Erklärung zu den Beweggründen des Boykotts. Unter anderem schrieb der Verein: "Der DOSB nennt unter anderem Respekt, Fairness, Integrität und Menschenrechte als Grundwerte des Sports und betont, dass diese Werte nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch darüber hinaus gelten. Auch der Hamburger Sportbund beschäftigt sich intensiv mit dem Schutz vor sexualisierter Gewalt und einer Kultur der Aufmerksamkeit im Sport. Diese Grundsätze teilen wir." Weiter hieß es bezogen auf den Wettbewerbsnachteil eines Nichtantritts: "Fußball findet nicht außerhalb der Gesellschaft statt. Sportliche Interessen, Tabellenplätze und Punkte können deshalb nicht in jeder Situation das alleinige Entscheidungskriterium sein." Wie die anderen drei Vereine vor ihnen wünscht sich auch der TSV Sasel, dass eine mögliche Geldstrafe "in geeigneter Form dem Schutz oder der Unterstützung von Betroffenen sexualisierter Gewalt zugutekommen könnte." Unter dem Social-Media-Beitrag fielen die Reaktionen fast durchweg positiv aus, viele Menschen begrüßen den Schritt der Vereine, trotz möglicher Nachteile ihre Werte zu verteidigen. Für den TSV Sasel ist klar: "Werte sind für uns nur dann tatsächlich Werte, wenn wir auch bereit sind, für sie Konsequenzen zu tragen – wenn wir das nicht tun würden, wären es keine Werte, sondern nur Worte."