Der Geistliche Adam Hamilton holte bei den Midterms einen der verblüffendsten Siege für die Demokraten. Gott spielte dabei eine ungewöhnliche Rolle. Einen demokratischen Senator aus Kansas gab es zuletzt vor fast 100 Jahren. Zuletzt gewann die Partei 1932 einen Senatssitz in dem konservativen Farmerstaat, als Franklin Roosevelt während der Großen Depression bei der Präsidentschaftswahl einen Erdrutschsieg holte. Doch diese Durststrecke ist nun beendet. Der Pastor Adam Hamilton gewann die Senatswahl, obwohl Donald Trump hier bei der vergangenen Präsidentschaftswahl vor zwei Jahren noch einen Vorsprung von 16 Prozent für die Republikaner vorweisen konnte. Newsblog zu den US-Midterms : Die neuesten Entwicklungen Demokraten triumphieren bei Zwischenwahl: Keine Welle, sondern ein Tsunami Hamiltons Erfolg hatte sich bereits abgezeichnet. Das liegt zum einen an Trumps Unbeliebtheit, aber maßgeblich auch am besonderen Ansatz Hamiltons, der früher selbst Republikaner war und es schaffte, nicht nur die demokratische Wählerbasis zu erreichen. Religion spielt eine große Rolle "Ich bin ein liberaler Konservativer und ein konservativer Liberaler, je nach Thema und Wochentag", sagt Hamilton über sich. Er bezeichnet sich als "unabhängig denkenden Demokraten", der "aus der Mitte führen" wolle. Erst in diesem Jahr hatte er sich nach seiner Mitgliedschaft bei den Republikanern zunächst als Unabhängigen registrieren lassen, um dann für die Demokraten anzutreten. Wesentlich für seinen Erfolg war dabei sein Wirken als Pastor. Er ist der Gründer und Anführer der United Methodist Church of the Resurrection, die laut dem Portal "Kansas Reflector" jede Woche um die 25.000 Besucher hat. Der bisherige Senator Roger Marshall, der nun das Nachsehen hatte, nannte ihn deshalb spöttisch "Megachurch-CEO". Doch bei Wählern in dem konservativen Staat kam Hamiltons religiöser Hintergrund gut an. Und er setzte dies bei seinen Ansprachen immer wieder ein. Wahlen bezeichnete er etwa als "ein Akt christlicher Nachfolge". Dabei sind es normalerweise die Republikaner, die sich auf Gott berufen und Religion zu einem Teil ihrer Identität machen. Evangelikale Christen sind wesentlicher Teil von Trumps Maga-Bewegung, in der der Präsident teilweise wie der Messias inszeniert wird. Bereits Obama setzte auf Hamilton Doch Hamilton schaffte es, religiös und progressiv zugleich zu sein. So erklärte er, dass nicht alle Aussagen in der Bibel heutzutage wörtlich zu nehmen seien. Manches sei der Zeit ihrer Entstehung geschuldet und heute zu interpretieren – zum Beispiel die Ablehnung von Homosexualität. Dieser Pragmatismus hatte ihn bereits als Pastor weit über die Grenzen von Kansas bekannt gemacht. So predigte er 2013 beim landesweiten Gottesdienst zu Barack Obamas zweiter Amtseinführung, 2016 berief ihn Obama in seinen Beirat für Partnerschaften mit religiösen Organisationen und Nachbarschaftsinitiativen. Trump bezeichnete Hamilton als "perversen Pastor" Gegenüber Trump fährt Hamilton einen klar kritischen Kurs, oft mit einem religiösen Anstrich. Mit Blick auf das aktuelle Amerika sagte er dem "New Yorker": "Das sieht nicht nach dem Reich Gottes aus, für das ich mein ganzes Leben lang gebetet und gepredigt habe." Er betont: "In unserem Land läuft einfach einiges schief." Nun will er die Gesundheitsversorgung verbessern und Kürzungen von Trump zurücknehmen. Auch die Themen Wohnraum und Benzin will er angehen. Überhaupt wolle er sich für die Schwachen einsetzen, sagte er der "New York Times" am Wahltag: "In der Grundschule wurde ich einige Jahre lang gemobbt. Das hat mich immer dazu bewegt, mich für Menschen einzusetzen, die gemobbt werden." Als Senator wolle er für diejenigen eintreten, "die unter den Entwicklungen in Washington leiden, etwa in den Bereichen Einwanderung, Gesundheitswesen, Ernährungsförderung und Landwirtschaft". Trump hatte die Gefahr, die von diesem Ansatz für seine eigene Macht ausgeht, offenbar bereits vor der Wahl erkannt. Der US-Präsident und sein Vize JD Vance waren im Wahlkampf je zweimal in Kansas, um vor ihm zu warnen. Trump nannte Hamilton einen "radikalen linken Spinner" und einen "perversen Pastor". Amtsinhaber Marshall wollte seinen Kontrahenten dagegen als "zu woke" und "zu schwach" für Kansas dastehen lassen. Hamiltons Antwort: "Ich bin ziemlich sicher, dass Jesus auch zu woke wäre."