Die italienische Regierung plant in ihrem Haushaltsentwurf ab 2027 eine neue Steuer für besonders Wohlhabende. Treffen könnte sie auch einige Deutsche. Die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni will Wohlhabende ab 2027 eine neue Steuer zahlen lassen, sollten sie Italien den Rücken kehren. Das ist im Haushaltsentwurf Italiens vorgesehen, wie mehrere italienische Medien übereinstimmend berichten. Demnach sollen Personen, die Vermögen von mehr als 800.000 Euro besitzen und ihren Wohnsitz ins Ausland verlegen, in Zukunft 26 Prozent Steuern auf nicht realisierte Gewinne bezahlen . Staatsanleihen sollen zu einem reduzierten Satz von 12,5 Prozent besteuert werden. Die Steuer soll für jene gelten, die in sechs der vergangenen zehn Jahre in Italien gelebt haben. Immobilienvermögen soll von der Steuer ausgenommen werden. Italiener wehren sich gegen Flut der Superreichen Die Steuer steht im Kontrast zu bestehenden steuerlichen Regeln für wohlhabende Ausländer, die nach Italien gelockt wurden. So zahlten Vermögende, die ihren Steuersitz nach Italien verlegen, in den ersten zehn Jahren nur 100.000 Euro pro Jahr an Steuern . Diese Pauschalsteuer gilt unabhängig vom tatsächlichen Einkommen oder Vermögen. Mit diesem System hat Italien viele Millionäre und Milliardäre ins Land geholt. Das stieß jedoch auf Kritik und schürte vor allem in Städten wie Mailand die Sorge, dass die Lebenshaltungskosten weiter steigen und Mieten und Wohneigentum für Durchschnittsverdiener unbezahlbar werden. In diesem Jahr wurde die Pauschalsteuer deshalb für Neuankömmlinge auf 300.000 Euro erhöht. Die neue "Exit-Steuer" ist Beobachtern zufolge Teil einer Strategie, die Zahl der ankommenden Superreichen wieder etwas einzudämmen – ohne dies explizit auch so zu sagen. Mehrere Vermögensverwalter und Steuerexperten sagten im Gespräch mit der "Financial Times", dass allein der Vorschlag viele Wohlhabende abschrecken könnte. "Es wird Italien als langfristiges Zuhause für viele deutlich unattraktiver machen", zitiert die Zeitung etwa den Steuerrechtler Tim Stovold. "Exit-Steuer" für Vermögende gibt es in vielen Ländern Eine "Exit-Steuer" ist nichts grundsätzlich Neues: Auch andere Länder besteuern Wohlhabende, die das Land verlassen wollen. Wer die USA verlässt und seine Staatsbürgerschaft aufgibt, muss auf Gewinne über 910.000 US-Dollar eine 23-prozentige Steuer entrichten. In Dänemark liegt die Ertragsteuer – je nach Höhe der Gewinne – sogar bei 27 bis 42 Prozent. Ebenso verlangen Länder wie Frankreich , Israel, Österreich , Kanada, Australien und Norwegen eine solche Steuer. In Italien gilt diese Steuer bisher aber nicht. Das südeuropäische Land nutzt neben der Pauschalsteuer für Wohlhabende auch andere steuerliche Mittel, um insbesondere junge Akademiker sowie Rentner und Rentnerinnen ins Land zu locken. Wer seine Rente in einem kleinen italienischen Ort mit weniger als 30.000 Einwohnern verbringen möchte , zahlt zehn Jahre lang nur sieben Prozent Steuern auf alle Einkünfte . Für besonders qualifizierte Fachkräfte gibt es in den ersten fünf Jahren des Wohnsitzes in Italien die Möglichkeit, 50 Prozent ihres Arbeitseinkommens steuerfrei zu stellen. Die neue "Exit-Steuer" ist noch keine beschlossene Sache. Das Gesetz muss noch vom Parlament bestätigt werden, bevor es am 1. Januar 2027 in Kraft treten kann.