Wiesloch: Bauern und Stadt stehen im Dialog
Wiesloch. (rnz) Auch in diesem Jahr fand im Rathaus der Weinstadt nach Abschluss der Erntezeit ein Informations- und Meinungsaustausch zu Themen der Landwirtschaft statt. Bürgermeister Ludwig Sauer begrüßte die zahlreich erschienenen Voll- und Nebenerwerbslandwirte, die auf Wieslocher, Baiertaler und Schatthausener Gemarkung ihre Felder bewirtschaften, sowie die Vertreter des Landwirtschaftsamts und des Kreisbauernverbands. Meinrad Singler von der Stadt stellte die aktuellen Maßnahmen zum Bau der Hochwasserrückhaltebecken und den Stand der Gewässerausbauten vor. Weiterhin berichtete er von den zum Jahreswechsel geltenden neuen Regelungen zur Bewirtschaftung von Gewässerrandstreifen.
Beim Thema Starkregenereignisse, die aufgrund der Topografie und der Siedlungslage vor allem Baiertal und Schatthausen betreffen, nahm Bürgermeister Sauer ausdrücklich die Landwirtschaft gegen pauschale Schuldzuweisungen in Schutz. Gleichwohl müssten alle zusammenarbeiten, um Erosionserscheinungen und Abschwemmungen zu begrenzen und Schäden in der Ortslage zu vermeiden. Gerd Münkel als Vertreter des Landwirtschaftsamts verwies auf notwendige Abstandsflächen zwischen intensiver landwirtschaftlicher Nutzung und Siedlungen sowie auf die Beratungsangebote und Initiativen seines Amts.
Einen breiten Raum nahm das Thema Flächenverbrauch für Straßenbau sowie Gewerbe- und Wohnflächenentwicklung der Kommunen ein. Für die erforderlichen naturschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen werden in der Regel weitere Flächen einer landwirtschaftlichen Nutzung auf Dauer entzogen. Deshalb will die Verwaltung gemeinsam mit Landwirtschaftsamt, Kreisbauernverband und den Landwirten nach Lösungen suchen, um wertvolle landwirtschaftliche Produktionsflächen zu erhalten und Ausgleichsmaßnahmen auf weniger bevorzugten Flächen wie Gewässerrandstreifen umzusetzen. Auch die ökologische Ausrichtung einer Bewirtschaftung kann unter bestimmten Voraussetzungen als Ausgleich anerkannt werden.
Ein weiteres Thema war der allgemein beklagte Rückgang von Insekten und weiteren Tierarten. Meinrad Singler appellierte an die Landwirte, sich in die ehrenamtlichen Aktionen in Frauenweiler und Schatthausen einzubringen und ihrerseits Blühstreifen anzulegen. Landwirt Ulrich Bernhard (Erlenhof) berichtete dazu von gemeinsamen Projekten mit dem Stadtteilverein in Frauenweiler. Einige Landwirte verwiesen in diesem Zusammenhang auch auf die Steinwüsten in den Privatgärten und wünschen sich auch von dieser Seite mehr Engagement zum Artenschutz.
Große Sorge bereiten den Landwirten die Schäden in landwirtschaftlichen Kulturen durch Wildschweine. Vor allem im Wieslocher Westen nähmen die Tiere derzeit überhand und kämen bis in die Siedlungen. Bürgermeister Sauer verwies auf die Problematik der großen Verkehrswege, die eine Bejagung erschwerten. Gerd Münkel vom Landwirtschaftsamt empfahl den direkten Dialog zwischen Jagdpächtern und Landwirtschaft unter Moderation der Verwaltung.
Einige Landwirte fühlen sich bei der Befahrung der Feldwege und der Bewirtschaftung der Felder durch abgestellte Fahrzeuge und freilaufende Hunde behindert. Schließlich seien die Feldwege für und durch die Landwirtschaft erstellt worden. Trotzdem stoße man bei der Nutzung der Feldwege oftmals auf Unverständnis bei Fußgängern und Radfahrern. Bürgermeister Sauer warb hier für ein verständnisvolles Miteinander.
Nach zwei Stunden intensiven Gedankenaustauschs bedankte sich Sauer bei allen Beteiligten für das offene und vertrauensvolle Gesprächsklima und versprach, den Dialog zwischen Landwirtschaft und Verwaltung im kommenden Jahr fortsetzen zu wollen.
Landwirte, die bislang keine Einladung zu diesem Treffen erhalten hatten, künftig aber teilnehmen möchten, werden gebeten, sich mit Iris Becher (i.becher@wiesloch.de) in Verbindung zu setzen.