Viele Deutsche machen beim Geldanlegen seit Jahrzehnten den gleichen Fehler. Doch sie sind nicht allein. Der Aktienmarkt im Jahr 2026 hatte zum 1. Mai schon genügend Erkenntnisse für ein gesamtes Börsenjahr parat. In bester Laune ins neue Jahr gestartet, schickte der Beginn des Iran-Krieges die Kurse deutlich nach unten und ließ die Börsenindizes von Dax über Nasdaq bis S&P 500 oder Euro Stoxx im Vergleich zum Jahresbeginn negativ dastehen. Bei vielen Anlegern war die Laune im März sehr mau und die roten Vorzeichen im Portfolio dominierten. Gleichzeitig zeigte ein Blick auf die Stimmungsindikatoren, dass sowohl Profis als auch private Investoren extrem negativ in ihrer Markterwartung waren. Schon seit Jahrzehnten bewahrheitet sich die Redensart, dass man am Aktienmarkt kaufen muss, wenn die Kanonen donnern. Dass im Jahr 2026 zufällig nicht nur sprichwörtlich, sondern auch im faktischen Sinne die Kanonen donnerten, ist ein Grund für einen sich zurückziehenden Aktienmarkt, aber längst keine zwingende Bedingung. Jedes Jahr sinkt die Stimmung Das Jahr 2025 hat gezeigt, dass Stimmungen genauso negativ sein können, wenn der US-Präsident Zölle ankündigt, und im Jahr 2022 konnte man sehen, dass die Stimmung sehr negativ werden kann, weil Sorgen um die Technologiebranche aufkamen. So hält jedes Börsenjahr im Grunde mindestens eine Phase bereit, in der Angst oder gar Panik regiert und man dies über verschiedene Indikatoren identifizieren kann. Dazu gehört in den USA der bekannte Fear and Greed Index, der bei einem Absinken unter die Marke von 10 – und damit in den einstelligen Bereich – seit etlichen Jahren zuverlässig signalisiert, dass man mittel- bis langfristig am Aktienmarkt so gut wie nichts verkehrt machen kann, wenn man diese Phasen für einen Einstieg nutzt. Angebot frei verfügbar In Deutschland hat die Börse München über ihren Börsenplatz Gettex über eine längere Zeit Risiko-Indikatoren getestet und nach umfangreicher Testphase als Risk-Indikatoren an den Markt gebracht. So können sich Anleger innerhalb der Handelstage orientieren, ob die Stimmung gerade ausgesprochen euphorisch oder sehr negativ ausfällt. Wo liegt aber nun der Kardinalfehler vieler Anleger? Viele Anleger wissen um die Stimmungsindikatoren, und sie sind auch längst kein Geheimnis mehr. Und jeder private Anleger kann sich diese Indikatoren innerhalb kürzester Zeit im Internet zusammensuchen. In unserem Börsenbrief stellen wir sie unseren Abonnenten nahezu täglich und vor allem dann zur Verfügung, wenn man aus ihnen praktischen Investmentnutzen ablesen kann. Frühjahrsblues Im März war diese Phase ganz klar gegeben, denn ein überverkaufter Aktienmarkt plus aktive Fondsmanager mit deutlich gestiegener Cash-Quote sowie Stimmungsindikatoren im negativen Bereich und ein singuläres Ereignis wie der Iran-Krieg, dessen Ende absehbar ist, war eine ziemlich perfekte Gelegenheit zum Einstieg am Markt. Viele Anleger agieren leider in diesen Phasen aber nach dem Motto: Limit bei Erreichen streichen. Was bedeutet dies? Einstiege konsequent durchziehen Nun, man spricht von diesem alten Börsianer-Satz, wenn man sich in guten Marktphasen ausmalt, wie schön es denn wäre, bei günstigeren Kursen zuzugreifen. Wenn die Kurse dann aber günstig sind, erhält man von allen Seiten Einflüsterer, die erklären wollen, dass es noch viel, viel schlimmer kommen kann und man besser abwartet. Dieses Abwarten wurde im März damit bestraft, dass die Kurse so schnell stiegen wie seit 30 Jahren nicht mehr. "Sowohl Nasdaq als auch S&P 500 gingen in den USA von einer extrem überverkauften Lage in eine extrem überkaufte Lage über. Chip-Aktien legten die längste Rally aller Zeiten hin", so Thomas Soltau vom Smartbroker. Anleger, die unten in der Korrektur keinen Mut hatten zu kaufen, schauten den steigenden Kursen hinterher und mussten bei vielen Einzelaktien von AMD über Amazon oder Intel oder auch Nvidia zusehen, wie innerhalb von sechs Wochen Kursgewinne zwischen 20 und 100 Prozent auf der Uhr standen. Aus jenem Fehler kann man aber lernen, denn das Gute ist: Korrekturen gibt es immer wieder. Und die wichtigste Lehre daraus ist, dass in Korrekturen genau jene Crash-Propheten aus ihren Löchern kommen, die scheinbar genau wissen, wie weit und wie stark Aktienmärkte korrigieren werden. In den USA ist einer dieser Crash-Propheten Michael Burry, der zugegeben einmal, und dies in der wichtigsten Phase der letzten 20 Jahre, richtig lag, nämlich zur Blase des Häusermarktes in den USA. Die Geschichte des Mannes wurde im Film "The Big Short" bestens erzählt. Doch auch viele aktive Fondsmanager und Hedgefonds-Manager in den USA predigten im März, dass die Nasdaq noch weit tiefer fallen müsse und die Märkte heillos überkauft seien. Man darf nicht vergessen: Die meisten, um nicht zu sagen, alle Akteure am Aktienmarkt, haben auch ein ureigenes Interesse, ihre eigenen Portfolios zu pflegen. Dies bedeutet, wer gerne günstig im Markt einkaufen will, wird öffentlich verkünden, dass er die Kurse noch deutlich niedriger sieht. Aus dem simplen Grund, dass man sich selbst mit Aktien eindecken möchte. Heißt: Wenn in den breiten Medien viele Experten vor einem Absturz warnen und die Bären, also die Pessimisten, am lautesten zu hören sind, gilt es, einen Kardinalfehler zu vermeiden: Das Gegenteil dessen tun, was sie empfehlen.