Jeden Dienstag lockte "Unser Lehrer Doktor Specht" in den Neunzigern Millionen vor die Bildschirme. Dann wurde die Serie abgesetzt. Das macht Robert Atzorn heute. Als Dr. Michael Specht spielte sich Robert Atzorn Anfang der Neunzigerjahre in die Herzen der Zuschauer. Sieben Jahre lang schlüpfte er in die Rolle des Lehrers aus der niedersächsischen Kleinstadt Celle , der immer wieder an eine neue Schule versetzt wurde und dort die Alltagsprobleme seiner Schüler bewältigte, aber auch selbst mit einem turbulenten Liebesleben zu kämpfen hatte. Gleich die erste Folge der Serie zog 13 Millionen Menschen vor die Bildschirme. Lange galt "Unser Lehrer Doktor Specht" als Quotenhit. Bis die Sendung am 30. März 1999 aus dem Programm genommen wurde. Nach dem Aus der Serie widmete sich Robert Atzorn neuen Projekten. Von 2001 bis 2008 war der Schauspieler zum Beispiel als "Tatort"-Kommissar Jan Casstorff im TV zu sehen. Danach flimmerte er sieben Jahre lang mit "Nord Nord Mord" über die Bildschirme. "Ich möchte nicht vor der Kamera sterben" Doch dann hing er von jetzt auf gleich die Schauspielerei an den Nagel. 2017 gab seine Agentin bekannt: Robert Atzorn wird sich zurückziehen. "Der Künstler wird weder Lesungen halten noch Synchronisierungen vornehmen – und er beantwortet keine Fanpost mehr", erklärte Carola Studlar damals der Fernsehzeitschrift "Hörzu". Viele Fans machten sich Sorgen, fragten sich, ob der Schauspieler krank ist. Im Gespräch mit der "Bild" brachte Robert Atzorn Licht ins Dunkel. "Für mich ist das Kapitel einfach beendet. Ich habe 50 Jahre gearbeitet. Es gibt auch noch etwas anderes im Leben – meine Familie, meine Enkel. Ich möchte nicht auf der Bühne oder vor der Kamera sterben. Jetzt ist es genug." Doch jetzt, fast zehn Jahre später, kehrt Robert Atzorn völlig überraschend vor die Kamera zurück. Gemeinsam mit seinem Sohn Jens dreht er aktuell einen Fernsehfilm fürs ZDF . Der Arbeitstitel lautet "Auf der Spur". Die Dreharbeiten dauern noch bis Juni an. Wann der Film ausgestrahlt wird, ist noch nicht bekannt. In den vergangenen Jahren hatte sich der Schauspieler vor allem seinem Privatleben gewidmet, veröffentlichte unter anderem seine Memoiren. "Das Schreiben ist mir gleich ziemlich leichtgefallen", sagte Robert Atzorn 2020 bei einer Pressekonferenz. "Mir wurde sehr schnell klar, ich muss was geraderücken über Schauspieler. Zeigen, wie schwer der Beruf auch sein kann. Ich war ja bereits Mitte 40, als es mit der Karriere losging. Doch was war in den 20 Jahren vorher?" In der Autobiografie "Duschen und Zähneputzen – Was im Leben wirklich zählt" stößt man auch auf ein Stück deutscher Zeitgeschichte. Denn Atzorn litt unter seinem aus dem Krieg zurückgekehrten Vater, einem späteren Journalisten. Auch die Mutter, eigentlich Sängerin, verfiel in Schweigen und Depression. "Mein Vater konnte keine Gefühle mehr äußern" "Es ist natürlich klar, dass wir alle von traumatisierten Eltern großgezogen sind", so Atzorn damals. "Und natürlich sind da irrsinnige Defizite. Mein Vater konnte überhaupt keine Gefühle mehr äußern." Erst bei einer von ihm und seiner Frau vorgenommenen sogenannten Familienaufstellung sei klargeworden, wie tief die Verletzungen beim Vater waren. Nach dieser Erkenntnis habe er ihm verzeihen können. Vor seinem beruflichen Durchbruch Ende der Achtzigerjahre hat er nach eigenen Worten auch seitens seiner Kollegen zahllose Genickschläge und Abstürze erfahren, nach denen er immer wieder aufgestanden ist. 2017 zog sich der Schauspieler aus dem Rampenlicht zurück. Nun ist er wieder da.