Im März machte Collien Fernandes öffentlich, dass sie "virtuell vergewaltigt" wurde und sie ihren Ex-Mann angezeigt hat. Jetzt reagiert sie auf Kritik, dies als Mutter einer Tochter getan zu haben. Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes hat im Gespräch mit dem "Stern" gesagt, sie habe lange darüber nachgedacht, ob sie Christian Ulmen öffentlich beschuldigen solle. "Natürlich ist es wahnsinnig schwierig, den Vater des eigenen Kindes anzuzeigen, deshalb entscheiden sich ja auch viele Frauen dagegen", erklärte sie. Doch Schweigen sei viel problematischer. "Genau diese Haltung führt dazu, dass Täter nicht zur Rechenschaft gezogen werden." Zudem betonte sie: "Der Missbrauch hat von Anfang an in der Öffentlichkeit stattgefunden. Mit diesen Social-Media-Accounts hat er ein falsches Bild von mir kreiert – in der Öffentlichkeit. Und das musste ich geraderücken. Da kann man doch nicht sagen, dass das eine Privatangelegenheit sei." Moderator Markus Lanz hatte Mitte April im "Stern" unter anderem gesagt: "Ich habe keinen Grund, an der Berichterstattung zu zweifeln, aber auf einer rein menschlichen Ebene empfinde ich nicht nur Mitgefühl für Collien Fernandes, sondern auch für den Rest der Familie, für die gemeinsame Tochter, die weiter zur Schule gehen muss." Fernandes gegen Ulmen: Wie sich der Skandal entwickelte Collien Fernandes: "Mir ging es vor der Anzeige besser als jetzt" Fernandes sieht das anders: "Aber was wäre das für ein Signal an meine Tochter gewesen, hätte ich es nicht getan?", fragte sie. Eine Freundin habe ihr nach der Veröffentlichung der Vorwürfe gegen Ulmen gesagt: "Das ist das Beste, was du für deine Tochter tun konntest: Dass sie, wenn ihr so etwas widerfahren sollte, gelernt hat, dass sie den Täter nicht schützen muss – egal, wie nah er ihr steht." Auch sagte Fernandes: "Hinzu kommt, dass unser Prozess in Spanien wohl ohnehin öffentlich stattgefunden hätte." "So geht der Terror immer weiter" Rückblickend sagte Fernandes dennoch: "Ich weiß nicht, ob ich einer Frau, die mich um Rat bittet, nach meinen Erfahrungen sagen würde: Zeig ihn an!" Zwar bekomme sie zahlreiche emotionale Nachrichten, doch diese beinhalten auch einen "Schrecken ohne Ende", wie sie erklärte. "Weil es nicht nur die Tat ist, die man verarbeiten muss, sondern zusätzlich noch das fehlende Schuldbewusstsein des Täters. So geht der Terror immer weiter. Täter verdrehen den Hergang der Dinge, streuen Falschbehauptungen über das Opfer." Zudem werde digitale Gewalt weiterhin bagatellisiert, so Fernandes. "Ja, digitale Gewalt ist keine Gewalt, die blaue Flecken hinterlässt. Aber der Schmerz ist echt und muss genauso therapeutisch aufgearbeitet werden. Darum braucht es Schulungen für die, die mit Opfern in Kontakt kommen – Lehrer, Polizisten, Menschen in der Justiz", sagte sie. Derzeit gebe es für sie keinerlei Lichtblick, sagte Fernandes: "Gerade sehe ich wenig Licht. Ich wünsche mir nur, dass schnell verhandelt wird. Und dass dieser ganze Horror endlich vorbei ist." Christian Ulmen wird von seiner Ex-Frau Collien Fernandes vorgeworfen, über Jahre Fake-Profile in ihrem Namen erstellt und darüber mit zahlreichen Männern kommuniziert zu haben. Er soll laut Fernandes digital generierte pornografische Inhalte, die ihr ähnelten, verbreitet haben. Er bestreitet die Vorwürfe. Es gilt die Unschuldsvermutung.