Der kleine Videospielhändler Gamestop will die viel größere Onlineplattform Ebay übernehmen. Und dann auch noch den weltgrößten Onlinehändler herausfordern. Ein guter Plan oder Größenwahn? Fast 10 Prozent Kursplus bei Gamestop an einem Tag. Diesmal steckt keine Community dahinter, die die Aktie in die Höhe treibt wie im Jahr 2021. Sondern Gamestop selbst: In einer David-gegen-Goliath-Variante will der kleine Videospielhändler die Onlineplattform Ebay übernehmen . Aber nicht nur die Finanzierung wirft Fragen auf. 12 Milliarden US-Dollar – so viel war Gamestop an der Börse zuletzt wert. Rund 25 US-Dollar die Aktie. Fast 500 US-Dollar waren es in der Spitze 2021. Damals hatte sich eine Community in Onlineforen gefunden und massiv gemeinsam gegen sogenannte Hedgefonds, die auf fallende Kurse gewettet hatten, gezockt. Mit Erfolg. Das hatte die Gamestop-Aktie in enorme Höhen getrieben, obwohl das Unternehmen mit dem Verkauf von Videospielen eher mäßig erfolgreich war. 56 Milliarden für Goliath Anschließend ist es wieder ruhiger um den Aktienkurs von Gamestop geworden. Bis jetzt. Bis zu den Plänen, Ebay kaufen zu wollen. Für satte 56 Milliarden US-Dollar. Zehn Milliarden mehr, als Ebay an der Börse zu dem Zeitpunkt wert war. Das heißt auch: Das Übernahmeziel Ebay bringt fast viermal so viel Wert auf die Börsenwaage wie Gamestop. Spätestens seit 2024 hat die Ebay-Aktie wieder einen Lauf. Mit den aktuellen Übernahmeplänen kamen am Tag der Bekanntgabe direkt noch 25 Prozent dazu. Die Zahlen sprechen dagegen Aber nicht nur der Börsenwert – auch die nackten Zahlen sprechen dagegen: 11 Milliarden US-Dollar Umsatz und zwei Milliarden Gewinn macht Ebay im Jahr. Gamestop verdient gut 400 Millionen aus seinen knapp vier Milliarden US-Dollar Umsatz. Viele Läden wurden geschlossen. Stattdessen liegt der Fokus auf Sammelkarten und Nostalgiespielen im Onlinehandel. Gamestop hat nun aber Großes vor, denn mit der Übernahme von eBay steht der eigentliche Angriff erst bevor. Ziel der Gamestop-Pläne mit Ebay ist es, eine ernsthafte Konkurrenz zum weltweit größten Online-Versandhändler, Marktführer in Cloud Computing, Dienstleister für Streaming und KI sowie Hardware-Spezialisten mit Kindle und Echo aufzubauen: Amazon . Und dann Amazon Konkurrenz machen? Aber wie? Wir reden hier also über knapp vier Milliarden US-Dollar Umsatz in einer Nische im Vergleich zu einem digitalen und globalen Geschäft mit über 700 Milliarden US-Dollar Umsatz von Amazon. Schon die Pläne, sich vor der Kampfansage an Amazon Ebay einverleiben zu wollen, stellen Größen- und Kraftverhältnisse auf den Kopf. Ebay war eine Plattform für Online-Auktionen. Aber inzwischen ist es mehr eine Plattform für Festpreis-Geschäfte. Doch genau da gibt es erhebliche Konkurrenz. Eine davon ist – richtig – Amazon. Und das hat Ebay in letzter Zeit schwer Marktanteile gekostet, auch wenn Ebay in einem Jahr an der Börse um 50 Prozent zugelegt hat. Wer soll das bezahlen? Die Frage ist aber nicht nur, wie realistisch die Übernahme ist, sondern auch, wie bezahlbar sie ist: Gamestop hat gut 10 Milliarden Dollar in der Kasse, um Ebay zu kaufen und dann zum neuen Amazon umzubauen. 20 Milliarden kann es an Krediten bekommen. Fehlen immer noch 26 Milliarden bis zu den gebotenen 56 Milliarden. Nun kann man ja eigene Aktien im Tausch gegen Ebay-Aktien anbieten. Aber wie viele Ebay-Aktionäre wollen wirklich Gamestop-Aktien haben, die deutlich schlechter laufen? Ein Bruchteil vom Börsenwert übrig Das war vor fünf Jahren anders, als die oben erwähnte Community-Rebellion gegen Hedgefonds gewettet und Gamestop-Aktien zeitweise bis auf 500 Dollar pro Aktie nach oben getrieben hatte. Keine Frage, das war maßlos übertrieben. Derzeit ist noch ein Bruchteil übrig. Und so ist auch vielleicht die Vision, Ebay zu übernehmen, eher brüchig. Am Ende des Tages, als Gamestop seine Pläne öffentlich gemacht hatte, war die Aktie von Gamestop prozentual wieder zweistellig eingebrochen. Damit ist die Antwort der Börse der ersten Euphorie gewichen. Es sei denn, die Community von damals legt noch mal los und treibt die Gamestop-Aktie als Übernahme-Währung wieder an. Aber warum sollte sie?