Cher wird 80 Jahre alt: Die ewige Diva der Musikgeschichte
Am 20. Mai wird Cher 80 Jahre alt. Wer die Pop-Ikone und ewige Diva kennt, weiß: Zahlen haben sie noch nie beeindruckt
Sie braucht keinen reichen Mann - sie hat sich längst selbst zur Legende gemacht. Kaum eine Frau im Popgeschäft hat so früh und so unmissverständlich vorgemacht, was Selbstbestimmung bedeutet: unabhängig von Männern, offen für musikalische Neuanfänge und zugleich kompromisslos im Umgang mit dem eigenen Image. Am 20. Mai wird die Musikikone Cher 80 Jahre alt. Dabei hat die Pop-Diva das Altern doch eigentlich schon vor Jahrzehnten abgeschafft.
Natürlich sieht man Cher an, dass sie keine 30 mehr ist - und dass ihr das Thema Altern nicht gleichgültig ist. Aber nichts läge ihr ferner, als darüber zu lügen. "CBS News" sagte sie im vergangenen Jahr zum Thema Altern: "Ich hasse es. Ich bin nicht weiser geworden." Von Zahlen lässt sie sich dennoch kaum beeindrucken - eher von dem Leben, das sie mit ihnen gefüllt hat. "Mein Leben scheint länger zu sein als das jedes anderen Menschen überhaupt", scherzte sie 2023 im "Guardian". "Ich glaube, ich sollte dafür ins Guinnessbuch der Rekorde - und ich mache immer noch weiter!"
Schwere Kindheit
Wer verstehen will, wie Cher zu der Frau wurde, die sie heute ist, muss an den Anfang zurückgehen - und der war alles andere als glamourös. In ihrer 2024 erschienenen Autobiografie "Cher: The Memoir, Part One" beschreibt sie eine Kindheit, die früh von Brüchen geprägt war. 1946 wurde Cherilyn Sarkisian in El Centro, Kalifornien, geboren. Ihr Vater verspielte das Familienvermögen und ließ seine Frau, die selbst aus einem kaputten Elternhaus stammte, mit der kleinen Tochter zurück. Cher wurde in einem katholischen Kinderheim untergebracht, die Nonnen untersagten der Mutter jeden Besuch.
Inmitten dieser Kindheit fand Cher ihre erste Liebe: die Schauspielerei. Sie verließ die Highschool, um eine Schauspielschule zu besuchen. Die Musik kam später - zunächst als Hintergrundsängerin bei Phil Spector, bevor sie ab 1965 im Duo mit ihrem späteren Ehemann Sonny Bono (1935-1998) als Sonny & Cher weltbekannt wurde. "I Got You Babe" wurde ein Mega-Hit - obwohl beide aus Chers Sicht damals bescheidene Sänger waren. "Ich war anfangs eine schreckliche Sängerin und Sonny war ein erschreckender Sänger", erinnerte sie sich.
Parallel zum Duo-Erfolg schlug Cher bereits damals eine Solokarriere ein, mit der Bob-Dylan-Coverversion "All I Really Want to Do" landete sie 1965 ihren ersten großen Hit. Viele weitere sollten folgen: Zwischen 1965 und 2018 entstanden 27 Studioalben. Mehr als 200 Millionen Tonträger wurden weltweit verkauft, dazu weitere 80 Millionen gemeinsam mit Sonny. Folk, Disco, Rock, Techno, Electropop: Cher hat nicht nur alle Stilrichtungen durchlaufen, sie hat viele davon mitgeprägt.
"Believe" und die Erfindung des Auto-Tune
Doch auch ihre Karriere verlief natürlich nicht ohne Rückschläge. Ende der 1980er Jahre erkrankte sie am Epstein-Barr-Virus, der chronische Erschöpfung auslöste, und musste sich mit Werbespots für Schönheitsprodukte finanziell über Wasser halten. "Ich war beliebt oder ich war nicht beliebt", resümierte sie im Interview. "Aber ich war immer genau die, die ich bin. Ich habe mich immer als Autoscooter gesehen, denn wenn ich gegen die Wand fuhr, fuhr ich einfach zurück und nahm eine andere Richtung."
Und die kam mit "Believe". Mit 52 Jahren erschuf Cher mit Unterstützung ihres neuen britischen Labels ihren größten Hit. Der Song wurde 1998 in über zehn Ländern Nummer eins - und schrieb Musikgeschichte als erste Aufnahme, die Auto-Tune bewusst als Stilmittel einsetzte.
Gescheiterte Beziehungen
Auch privat ging es auf und ab. Sonny Bono lernte sie kennen, als sie 16 und er 27 war. In ihren Memoiren beschreibt Cher die Ehe als geprägt von Kontrolle, Eifersucht und Untreue. Mit 26 Jahren, drei Jahre nach der Geburt ihres Sohnes Chaz (1969), habe sie ernsthaft darüber nachgedacht, vom Balkon eines Hotels in Las Vegas zu springen. Im Februar 1974 reichte Cher schließlich die Scheidung ein - und musste feststellen, dass sie nicht einen Prozent der Anteile an ihrem gemeinsamen Firmenimperium hielt.
Kurze Zeit später heiratete sie den Rockmusiker Gregg Allman (1947-2017) - eine Verbindung, die genauso turbulent endete. Aus dieser Ehe stammt ihr zweiter Sohn Elijah Blue (1976). Danach war sie zeitweise mit Kiss-Bassist Gene Simmons liiert, später mit Bon-Jovi-Gitarrist Richie Sambora.
Kein Ende in Sicht
Abseits der Musik wollte Cher auch der Schauspielerei treu bleiben. In Hollywood kämpfte sie jahrelang darum, ernst genommen zu werden; männliche Regisseure und Produzenten zeigten wenig Interesse. Es war schließlich Francis Ford Coppola (87), der das Potenzial erkannte. 1988 gewann Cher den Oscar als beste Hauptdarstellerin für "Mondsüchtig". Insgesamt wirkte sie in über 15 Kinofilmen mit.
Und bald könnte es wieder so weit sein: Hauptdarstellerin Amanda Seyfried (40) verriet, dass Cher nach ihrem Auftritt in "Mamma Mia! 2" (2018) auch in der geplanten Fortsetzung wieder zu sehen sein wird. Und von Stillstand ist auch sonst keine Spur: Mehrfach hat Cher angedeutet, auch nach ihrem Weihnachtsalbum 2023 noch im Studio zu stehen und neue Songs aufzunehmen. Außerdem besucht sie regelmäßig Events wie zuletzt die Met Gala.
Die Liebe hält sie aber sowieso jung: Seit über drei Jahren ist sie mit dem 40 Jahre jüngeren Musikproduzenten Alexander Edwards zusammen. "Niemand weiß, was zwischen uns vorgeht, aber wir haben einfach einen Riesenspaß", schwärmte Cher gegenüber "CBS News". Abfällige Kommentare zum Altersunterschied nimmt sie deshalb mit der ihr eigenen Gelassenheit.
Wenn es nach Cher geht, kann also alles so weiterlaufen. "Ich war nie jemand, der dachte: Ich bin ein Star. Ich bin einfach glücklich. Wirklich, wirklich glücklich", betonte sie. Und auf die Frage, ob sie noch wisse, wie man aufhört zu arbeiten: "Ich weiß nicht, wie man sonst etwas macht. Was würde ich denn tun? Ich liebe, was ich tue."