Wer in Deutschland eine PV-Anlage hat, soll ab 2029 einen höheren Strompreis bezahlen. Die Solarbranche ist empört und zeigt jetzt, was das kosten soll. Für Eigentümer von Solaranlagen ändern sich in den nächsten Jahren die Rahmenbedingungen fundamental. Zunächst einmal durch die von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) geplante Abschaffung der festen Einspeisevergütung , die nach ihrem Willen ab 2027 greifen soll. Stattdessen sollen Solarbesitzer ihren Strom künftig über einen Drittanbieter verkaufen müssen – zu Marktpreisen. Und jetzt kommt noch eine weitere Neuerung hinzu, die diese Woche von der Bundesnetzagentur (BNetzA) verkündet wurde. Demnach sollen Eigentümer von PV-Anlagen auf dem Dach künftig einen höheren Grundpreis für Strom bezahlen . "Das ist ein Gebot der Fairness", sagte dazu BNetzA-Präsident Klaus Müller. Die BNetzA gehe davon aus, dass dieser Grundpreis bei unter 100 Euro pro Jahr liegen wird. Dieser würde zusätzlich zum üblichen Grundpreis auf Strom hinzukommen. 3.000 Euro Mehrkosten für Solarbesitzer Das sehen aber nicht alle so. Nach Berechnungen des Solarverbands BSW Solar dürfte der Preis eher bei 150 Euro im Jahr liegen. Die Höhe des Preises würde regional unterschiedlich ausfallen, da er von den örtlichen Verteilnetzbetreibern erhoben wird. Davon gibt es 850 unterschiedliche im Land – der Preis wird mutmaßlich also je nach regionalen Bedingungen variieren. Die Berechnungsgrundlage des BSW Solar geht auf das Beispiel Bayernwerk zurück, erklärt der Verband auf Nachfrage. Mit Mehrwertsteuer kommt BSW Solar für eine herkömmliche Solaranlage auf 155 Euro pro Jahr. "Über eine Anlagenlaufzeit von 20 Jahren ergeben sich damit Zusatzkosten in Höhe von 3.000 Euro. Die Kosten für ein typisches PV-System inklusive Speicher dürften sich damit um erhebliche rund 15 Prozent erhöhen", sagt Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig zu t-online. Vor dem Hintergrund der Pläne aus dem Wirtschaftsministerium würden private Solaranlagen immer unattraktiver, glaubt der Verband. Solar ist wichtig für die Klimaziele Auch der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) teilt diese Sorge und bemängelt insbesondere die geplante Ausnahmeregelung für Balkonkraftwerke – sie sollen keinen Zuschlag zahlen müssen. "Während Steckersolargeräte verschont bleiben, werden klassische Dachanlagen zusätzlich belastet. Das fördert kleinere oder auf Nulleinspeisung ausgelegte Anlagen und schwächt die Markteinbindung", schreibt der Verband. Der bne würde stattdessen dynamische Netzentgelte für Einspeiser befürworten, die Solarbesitzern klare Preisanreize liefern würden. Damit bekämen Solarbesitzer einen Anreiz, in den besonders ausgelasteten Mittagsstunden weniger Strom einzuspeisen. Solche dynamischen Netzentgelte will die BNetzA jetzt auch entwickeln . Eingeführt werden sollen sie aber frühestens 2032. Auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sieht den Plan der BNetzA kritisch, da dieser eine pauschale Lösung für teilweise sehr unterschiedliche Situationen biete. Christof Wittwer, Professor am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme, sagt im "Science Media Center", dass die Pläne die Energiewende bedrohten: "Für die Erreichung der Klimaschutzziele ist ein stringenter Ausbau von Wind und Solar unerlässlich: Um den Zubau mit reduziertem Netzausbau zu realisieren, braucht es derzeit den schnellen Zubau von Batteriespeichern." Solar wächst schneller als der Netzausbau Hintergrund des Prozesses ist das Auslaufen der heutigen Netzentgeltregelung Ende 2028. Mit einer Neugestaltung will die BNetzA den neuen Herausforderungen im Stromnetz begegnen. So gibt es mittlerweile sehr viele private Solaranlagen, die ungesteuert Strom ins Netz speisen. Das führt mitunter zu Netzengpässen, die von der Allgemeinheit teuer bezahlt werden müssen. Um diese Probleme zu beheben, müssen die Stromnetze ausgebaut werden. Die dadurch entstehenden Kosten gehen in die Milliarden, doch Solarbesitzer zahlen im heutigen Netzentgeltmodell weniger dafür als Menschen ohne PV-Anlage. Die Netzentgelte sind nämlich Teil des Arbeitspreises. Solarbesitzer beziehen aber weniger Strom aus dem Netz als Haushalte ohne PV, da sie sich besonders im Frühling und Sommer tagsüber selbst versorgen. Diese Schieflage möchte die BNetzA mit ihrer Reform beheben. Die jetzt vorgelegten Ideen sind aber noch nicht in Stein gemeißelt. Bis zum Sommer will die Behörde ihren Zwischenstand in eine Festlegung gießen, bis dahin sind Änderungen noch möglich. Ab 2029 soll das neue System dann greifen.