Alexander Zverev steht nach einem starken Auftritt im Halbfinale der French Open – und ist nur noch zwei Siege vom Gewinn seines ersten Grand-Slam-Titels entfernt. Alexander Zverev hat mit einer perfekten Vorhand seine eindrucksvolle Machtdemonstration im Viertelfinale der French Open beendet. Danach lenkte er seine Gedanken schon auf die beiden entscheidenden Etappen seiner Titelmission bei den French Open: "Ich will die Matches gewinnen, die vor mir liegen", sagte der 29-Jährige, nachdem er an einem verregneten Pariser Nachmittag gegen den Spanier Rafael Jódar eines unterstrichen hatte: Deutschlands Nummer eins ist der Topfavorit auf den Triumph in Roland Garros. Nach einer insgesamt starken Vorstellung und einem 7:6 (7:3), 6:1, 6:3 gegen Jódar befindet sich Zverev nur noch zwei Siege vom Gewinn seines ersten Grand-Slam-Titels entfernt. Zum fünften Mal in den vergangenen sechs Jahren steht der Tokio-Olympiasieger am Bois de Boulogne unter den besten vier. Und auch wenn der Weg nach dem Scheitern der härtesten Mitbewerber wie Jannik Sinner und Novak Djoković frei scheint, bleibt Zverev cool und fokussiert. Becker: "Viel besser habe ich ihn noch nie gesehen" "Ich bin glücklich, dass ich im Halbfinale stehe, mehr nicht", sagte Zverev, der nicht in Jubelstürme verfiel. Doch während sich der Hamburger in Zurückhaltung übte, prasselte aus allen Richtungen Lob auf ihn ein. "Viel besser habe ich ihn noch nie gesehen. Das war unglaublich großes Tennis", schwärmte Eurosport-Experte Boris Becker , auf der Tribüne jubelte Oma Natalia. Zverev schien jedoch von der Spielweise des Spaniers etwas überrascht. "Wie Jódar den Platz aufmacht, das Tempo verändert, mal die Linie langspielt – das hat Zverev so nicht erwartet", meinte Becker. Zverev, der im vergangenen Jahr im Viertelfinale noch sang- und klanglos am 24-maligen Major-Gewinner Novak Djoković gescheitert war, hatte nur zu Beginn des Spiels Probleme gegen den Spanier. Nach einer deutlichen Leistungssteigerung Mitte des ersten Satzes verwandelte er schließlich nach 2:25 Stunden Spielzeit seinen ersten Matchball zum Sieg. Auf dem Weg zum Finale bekommt es Zverev nun mit einem weiteren "jungen Wilden" in Paris zu tun. In der Nightsession, die er "vielleicht mit einem schönen Getränk in meiner Hand" auf seinem Hotelzimmer ansehen wollte, schlug der 20 Jahre alte Jakub Mensik aus Tschechien trotz körperlicher Probleme den Brasilianer Joao Fonseca, wie Jódar 19, mit 6:4, 6:3, 7:6 (7:3). In dieser Form ist Zverev aber auch gegen Mensik klar favorisiert. Vor dem ersten richtigen Härtetest auf dem Weg zum erhofften Triumph hatte Zverev prominente Unterstützung erhalten. "Ich hoffe, dass es dieses Jahr hier in Paris soweit sein wird", hatte die dreimalige Grand-Slam-Siegerin Angelique Kerber gesagt. Entscheidend sei aber, wie der Hamburger mit seiner Favoritenrolle und den hohen Erwartungen an der Seine umgeht. Zverev werde "mehr Druck spüren als je zuvor in seiner Karriere", war sich auch Legende John McEnroe sicher. Unruhe im Publikum wegen des Regens Am Dienstag hatte sich die Hitze der ersten Woche endgültig verabschiedet, in Paris regnete es bei Temperaturen um die 20 Grad immer wieder in Strömen. Und so blieb das Dach über dem Court Philippe-Chatrier geschlossen. Im ersten Satz wurde es kurz unruhig im Publikum, weil es an den Seiten reinregnete und die dort sitzenden Menschen Schirme aufspannten oder ihre Plätze fluchtartig verließen. Er hoffe, dass sich trotz der veränderten Gegebenheiten "nichts am Ergebnis ändere", sagte Mischa Zverev : "Die Bedingungen sind natürlich anders, der Platz ist nass, der Ball springt anders ab." Dennoch war der Glaube an einen Sieg des Bruders gegen Jódar groß: "Er wird ihn auch packen." Doch wie im Achtelfinale gegen den Niederländer Jesper de Jong fand Zverev schleppend in die Begegnung, was der furchtlose Spanier gnadenlos ausnutze. Während sich der Hamburger immer wieder Fehler erlaubte, war Jódar vor allem bei seinen eigenen Aufschlagspielen kaum angreifbar – und zog schnell auf 5:2 davon. Mit dem Rücken zur Wand zeigte Zverev aber eine starke Reaktion. Der Hamburger fand besser in die Partie, gewann den Satz noch – und danach lief die Maschine.