Im Nahen Osten fliegen die Raketen, die Ölpreise steigen, die Märkte reagieren nervös und selbst in der eigenen Partei rebellieren nun einige. Es läuft nicht gut für Donald Trump – und das wird für ihn zunehmend zum Problem. Bastian Brauns berichtet aus Washington Donald Trump ist verschwunden. Zumindest tritt der Präsident seit Tagen kaum noch öffentlich auf. Es gibt keine großen Ankündigungen. Keine triumphalen Inszenierungen. Keine stundenlangen Pressekonferenzen im Oval Office. Im täglichen Terminplan des Weißen Hauses heißt es inzwischen auffällig oft "Executive Time" – Arbeitszeit unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ausgerechnet in dem Moment, in dem seine wohl riskanteste außenpolitische Entscheidung der zweiten Amtszeit, der Iran-Krieg, immer deutlicher ihre Schattenseiten offenbart, scheint Trump abzutauchen. Spekulationen über den Gesundheitszustand des Präsidenten mehren sich. Doch das offizielle ärztliche Schreiben attestiert Trump eine ausgezeichnete körperliche Verfassung. Die Stille im Weißen Haus fällt in Washington umso mehr auf, da Trumps Verhalten zu Beginn des Krieges sehr anders war: laut und siegesgewiss. Gemeinsam mit Israels Benjamin Netanjahu wollte Donald Trump das iranische Atomprogramm entscheidend zurückwerfen, ja sogar die ganze Region neu ordnen. Heute, Monate später, sieht seine Bilanz deutlich komplizierter aus. Und das wird für den Präsidenten und seine unangefochtene Position zunehmend zum Problem. Die Lage ist schlimmer als vor dem Krieg Ausgerechnet die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) kommt zu einem für Trump verheerenden Urteil zum Krieg und seinen Folgen, wie jetzt bekannt wurde: Er habe neue Risiken geschaffen, die vorher nicht existierten, heißt es in einem nicht öffentlichen Report, über den die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Der Grund: Weil große Mengen hoch angereicherten Urans inzwischen der direkten Kontrolle der Inspektoren entzogen sind, sei die Gefahr, dass Material für militärische Zwecke umgeleitet werden könnte, heute größer als vor Beginn der Angriffe. Aber auch militärisch entwickelt sich der Konflikt keineswegs so, wie Donald Trump es versprochen hatte. Der Iran greift weiterhin Ziele in der Region an. Es trifft Kuwait, Bahrain und mit der Straße von Hormus die internationalen Schifffahrtsrouten. Zuletzt machten die Bilder eines brennenden Flughafenterminals in Kuwait Schlagzeilen. Die Botschaft aus Teheran ist auch nach Monaten unmissverständlich: Das Regime ist angeschlagen, aber keineswegs ausgeschaltet. Jegliche diplomatische Annäherung wird buchstäblich torpediert. Hinzu kommen die wirtschaftlichen Folgen. Trump hatte beteuert, die Inflation zu bekämpfen und die Energiepreise niedrig zu halten. Durch den Krieg entwickelt sich dieses Versprechen unaufhaltsam ins Gegenteil. Analysten warnen nun sogar vor historisch niedrigen Ölreserven in den USA , Energieunternehmen vor der Gefahr eines massiven Preisschocks. Auch wenn die Kampfhandlungen morgen endeten, würde es Monate dauern, bis sich die globalen Energiemärkte normalisieren. Die wirtschaftlichen Folgen haben politische Kosten Für einen Präsidenten, dessen politische Versprechen und Selbstinszenierungen auf wirtschaftlicher Stärke beruhen, ist das gerade im Jahr der Zwischenwahlen eine gefährliche Entwicklung. Fünf Monate vor dem Wahltag wächst die Nervosität bei immer mehr Republikanern im Kongress. Denn sie müssen sich in dieser Lage zur Wiederwahl stellen. Widerstand kommt darum nicht mehr nur von Demokraten. Trumps schwindende Macht zeigte sich in den vergangenen Tagen im Kongress. Dort häufen sich die Rückschläge. Seinen hochumstrittenen, milliardenschweren Fonds aus Steuermitteln zur Entschädigung von politischen Gewalttätern musste der Präsident beerdigen. Seine ebenfalls umstrittene Personalie Bill Pulte als Nachfolger der bisherigen Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard stößt bei Republikanern ebenfalls auf großen Widerstand. Pulte ist für dieses Amt gänzlich unerfahren. Am Mittwochabend stimmte nun der Kongress sogar für ein Ende des Iran-Krieges. Es ist zwar nur ein symbolisches, aber politisch dennoch hochbrisantes Signal. Denn erstmals seit Wochen schlossen sich dem Anliegen der Demokraten auch republikanische Kongressabgeordnete an und kippten die Mehrheit zuungunsten von Donald Trump. In derselben Woche unterlag bei den Vorwahlen zur Gouverneurswahl im Bundesstaat Iowa dann auch noch der von ihm unterstützte Kandidat einem innerparteilichen Konkurrenten. Trump wirkt erstmals schwach Der Iran-Krieg legte die Bruchlinien von Trumps MAGA-Bewegung von Beginn an offen. Der harte Kern der Isolationisten, angeführt von Figuren wie dem einflussreichen Ex-Fox-News-Moderator Tucker Carlson, stellt seitdem offen den Krieg und die Unterstützung Israels infrage. Selbst Republikaner, die ein Vorgehen gegen den Iran begrüßen, warnen vor einem weiteren endlosen Krieg im Nahen Osten und werfen Trump vor, keinen klaren Plan für das Ende des Konflikts zu haben. Auch das Verhältnis zu Israels Premierminister Benjamin Netanjahu zeigt immer offenere Risse. Was als eng abgestimmte Militärkampagne begann, entwickelte sich in den vergangenen Wochen zunehmend zu einem unübersehbaren Streit über das Kriegsende. Trump drängt auf eine diplomatische Lösung. Netanjahu fordert eine weitere militärische Eskalation. Die beiden sollen sich in Telefonaten heftig beschimpft haben. Der Präsident steht damit kurz vor seinem 80. Geburtstag und dem 250. Jubiläum der Vereinigten Staaten zwischen allen Fronten. Trumps langjähriges Erfolgsrezept, die Schlagzeilen zu dominieren, wirkt angesichts der Lage zunehmend wirkungslos. Offenbar dominieren die Schlagzeilen immer häufiger ihn. Darüber konnte dann auch ein Auftritt vor Journalisten am Mittwochabend nicht hinwegtäuschen. Im Oval Office des Weißen Hauses saß Trump hinter seinem Schreibtisch und prahlte wieder einmal damit, den historischen "Reflecting Pool", ein riesiges Wasserbecken am Lincoln Memorial auf der Nation Mall, blau angemalt zu haben. Es war der erste öffentliche Auftritt seit Tagen – und das Einzige, was er nach einer Woche der Niederlagen zu vermelden hatte.