Erneut flammt der Krieg im Nahen Osten auf. Die beteiligten Akteure verfolgen unterschiedliche Interessen – ein Überblick. Mit den gegenseitigen Angriffen zwischen dem Iran und Israel ist der Konflikt im Nahen Osten in der Nacht zu Montag erneut eskaliert. Teheran sieht die Raketenangriffe als Reaktion auf israelische Attacken im Libanon , Israel reagiert mit Luftschlägen auf iranisches Gebiet. Zugleich droht der Krieg weiter zu regionalisieren: Neben den beiden Erzfeinden sind auch die vom Iran unterstützten Huthi im Jemen sowie die Terrororganisation Hisbollah im Libanon in die Auseinandersetzung verwickelt. Doch welche langfristigen Ziele verfolgen die beteiligten Akteure im Nahen Osten? t-online gibt einen Überblick: Iran will trotz Schwäche Macht demonstrieren Teheran rechtfertigte die aktuellen Raketenangriffe auf Israel mit den israelischen Angriffen auf Ziele der Hisbollah im Libanon und berief sich dabei auf das Recht auf Selbstverteidigung nach Artikel 51 der UN-Charta. Dahinter steckt jedoch auch eine strategische Botschaft. Denn nach den Angriffen durch Israel und die USA ist das Regime geschwächt. Hinzu kommt innenpolitische Unruhe. Mit den Angriffen sendet der Iran ein Signal: Angriffe auf seine wichtigsten Verbündeten in der Region sollen nicht mehr ohne direkte Reaktion bleiben. Aus Sicht Teherans gehören die Hisbollah im Libanon, die Huthi-Miliz im Jemen und weitere verbündete Gruppen zu einem gemeinsamen Bündnis, der sogenannten Achse des Widerstands. Der Iran versucht zu signalisieren, dass dieses Netzwerk trotz der militärischen Auseinandersetzungen der vergangenen Monate weiterhin handlungsfähig ist. Zugleich soll durch die neuen Angriffe demonstriert werden, dass die Islamische Republik ihre Rolle als regionale Macht behauptet und weiterhin in der Lage ist, den Konflikt über die Grenzen des eigenen Staatsgebiets hinaus zu beeinflussen. Aktuelle Entwicklungen: Newsblog zum Krieg in Nahost Neue Eskalation in Nahost: Ölpreis zieht wieder kräftig an Israel setzt auf dauerhafte Schwächung Israel verfolgt nach jahrzehntelang schwelenden Konflikten vordergründig das Ziel, die militärischen Fähigkeiten Teherans und seiner Verbündeten dauerhaft zu schwächen. Die israelische Regierung hat aufgrund zahlreicher Bedrohungen in den vergangenen Jahrzehnten ein existenzielles Interesse daran, Angriffe der Terrororganisation Hisbollah, der Huthi-Miliz und anderer mit dem Iran verbündeter Gruppen einzudämmen und ihre Abschreckungsfähigkeit in der Region wiederherzustellen. Die israelische Führung sieht insbesondere das iranische Raketen- und Drohnenarsenal als Bedrohung für die eigene Sicherheit und will verhindern, dass der Iran seine militärische Schlagkraft weiter ausbaut. Auch in die eigene Verteidigung investiert das Land seit Jahrzehnten kräftig: Die Streitkräfte Israels (IDF) zählen weltweit zu den technologisch fortschrittlichsten und am besten ausgestatteten Militärs. Donald Trump und das Kommunikationsdebakel Ähnliche Interessen wie Israel verfolgen auch die USA, wenngleich die direkte Bedrohung für die Vereinigten Staaten deutlich geringer ist. Die US-Regierung kommunizierte in den vergangenen Wochen teils widersprüchlich zum Vorgehen in Nahost. Als zentrales Ziel nennt Washington seit Beginn des Konflikts jedoch immer wieder die Eindämmung des iranischen Atomprogramms. Hinzu kommen die Schwächung der iranischen Raketen- und Drohnenfähigkeiten, der Schutz internationaler Handelsrouten im Persischen Golf und in der Straße von Hormus sowie die Begrenzung des Einflusses iranisch unterstützter Milizen in der Region. Die "Achse des Widerstands" Die Huthis gehören zu den wichtigsten Verbündeten des Iran und sind Teil der "Achse des Widerstands", die sich in erster Linie gegen den israelischen Staat richtet. Nun hat die Miliz im Jemen erstmals seit Wochen wieder einen Angriff auf Israel für sich beansprucht. Sie habe mehrere Raketen auf Israel gefeuert, teilte Militärsprecher Jahja Sari mit. Zugleich verkündete er eine "komplette Blockade" der Seefahrt für Israel im Roten Meer. Das gehört zu den wichtigsten Druckmitteln der Huthi-Miliz: die Fähigkeit, die Schifffahrt im Roten Meer und in der Meerenge Bab al-Mandab zu stören. Die Gruppe verfügt außerdem trotz jahrelanger US- und israelischer Luftangriffe weiterhin über Raketen- und Drohnenkapazitäten. Die Huthi-Miliz unterstützt den Iran nicht nur aus ideologischer Verbundenheit. Experten zufolge geht es der Gruppe auch um den eigenen Machterhalt. Die Führung in Sanaa fürchtet, dass eine schwere Schwächung Teherans ihre eigene Position in Jemen gefährden könnte. Sie versuchen, ihren Einfluss in der Region zu sichern und ihre Bedeutung als militärischer Akteur zu unterstreichen. Ähnliche Ziele verfolgt auch die Hisbollah, die hauptsächlich im Libanon agiert. Sie versteht sich ebenfalls als Teil der "Achse des Widerstands". Allerdings ist bei der Miliz die Verbindung zu Iran deutlich tiefer und ideologischer. Die Organisation wurde mit iranischer Hilfe gegründet und hat in ihrem Gründungsmanifest die Loyalität zum iranischen Revolutionsführer festgeschrieben.