Im Zuge der Ermittlungen um Jeffrey Epstein hat Bill Gates vor dem Kongress ausgesagt. David Schafbuch berichtet aus New York Die Abgeordnete Emily Randall glaubt, ein Muster erkannt zu haben. Sie habe den Eindruck, sagte die Demokratin am Mittwoch in Washington , dass viele Männer, die Kontakt mit dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hatten, nur das "gesehen haben, was sie sehen wollten". Randall äußerte diese Worte in einer Pause der Befragung von Microsoft-Gründer Bill Gates vor Mitgliedern des US-Repräsentantenhauses. Auch der Name des Techmilliardärs war in den Ermittlungsakten um Epstein aufgetaucht, die das US-Justizministerium Ende des vergangenen Jahres veröffentlicht hatte. Wer nach Gates' Namen in der Datenbank sucht, erhält mehr als 2.600 Treffer. Trump im Weißen Haus: Alle Informationen im Newsblog Clinton vor Kongress: "Sprechen mit dem falschen Präsidenten" Deshalb hatte ihn der Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses nach Washington gebeten. Gates sagte vor seiner Befragung, er sei freiwillig in die Hauptstadt gekommen. Er hoffe zudem, dass seine Aussagen dem Ausschuss helfen werden, "Gerechtigkeit für die Opfer" zu erreichen. Auch nach der Befragung wird Bill Gates weiterhin keinerlei juristisches Fehlverhalten im Ermittlungskomplex um Jeffrey Epstein vorgeworfen. Allerdings ist nach diesem Mittwoch klar, dass auch Gates einer dieser Männer war, der sich zumindest bewusst war, welchen Ruf Epstein hatte – und dessen Kontakt er dennoch gesucht hat. Trotz Epsteins Verurteilung hatte Gates noch mit ihm Kontakt Bekannt war bereits, dass Gates und Epstein zwischen 2011 und 2014 in Verbindung standen. Zu diesem Zeitpunkt war Epstein bereits ein verurteilter Sexualstraftäter: Der Vermögensverwalter hatte vor einem Gericht in Florida zugegeben, Minderjährige zur Prostitution angestiftet zu haben. Epstein hatte damals einen Deal mit der Staatsanwaltschaft geschlossen: Sein Schuldeingeständnis in Florida ersparte ihm weitere Ermittlungen vor einem Bundesgericht. Dort hätte ihm eine lebenslange Haftstrafe gedroht. Stattdessen wurde er 2008 zu einer 18-monatigen Haftstrafe unter milden Umständen verurteilt. Epstein konnte sich etwa täglich zwölf Stunden außerhalb seiner Haftanstalt frei bewegen. Nach 13 Monaten kam er wegen guter Führung frei. 2019 wurde er dann wegen zahlreicher weiterer Vorwürfe der sexuellen Gewalt, auch gegenüber Minderjährigen, festgenommen. Wenig später verstarb er nach offiziellen Angaben durch Suizid während seiner Untersuchungshaft. Nachdem Epstein seine erste Haftstrafe abgesessen hatte, lernte er Gates kennen. Vor dem Untersuchungsausschuss sagte Gates am Mittwoch, er wusste, dass Epstein "mit dem Gesetz in Konflikt geraten war". Aber ihm sei das "Ausmaß seiner Verbrechen nicht vollständig bewusst" gewesen. "Ich hätte mich niemals mit Epstein treffen dürfen", urteilte Gates am Mittwoch über diese Zeit. Das Ausschussmitglied Robert Garcia kritisierte, Gates habe eine "schreckliche Fehlentscheidung" getroffen. Gates hob aber hervor, nie Kenntnisse von weiteren Straftaten Epsteins gehabt zu haben. Auch sei Gates niemals auf der Insel Epsteins, auf seiner Ranch oder seinem Haus in Florida gewesen. Und: "Ich habe nie jemanden missbraucht." Versuchte Erpressung? Warum er dennoch mit Epstein in Kontakt getreten war, begründete Gates in Washington so: Der Milliardär habe sich in den vergangenen fast 20 Jahren Projekten für Gesundheit und Bildung gewidmet. Trotz seines eigenen Reichtums sei es für Gates allerdings wichtig gewesen, weitere Spender zu finden. Dabei habe ihm Epstein, der über viele wohlhabende Kontakte verfügte, helfen wollen. Das Magazin "Forbes" schätzt das Vermögen von Gates aktuell auf fast 104 Milliarden US-Dollar . Krieg gegen den Iran : Trump schlägt zu "Sie haben wieder zugeschlagen": Iran zückt nach US-Attacken wohl schärfstes Schwert Der Kontakt endete nach Angaben des Microsoft-Milliardärs im Jahr 2014. Gates habe damals erkannt, dass er durch Epsteins Kontakte keine neuen Spender finden konnte. Der Milliardär behauptete zudem, dass er daraufhin von Epstein erpresst worden sei. Dieser habe von Affären von Gates gewusst und wollte ihn dadurch zwingen, wieder mit ihm den Kontakt aufzunehmen. Gates sagt heute, keine der Affären habe eine Verbindung zu Epstein gehabt. In den Ermittlungsakten waren nicht nur Fotos öffentlich geworden, die Gates und Epstein mit Frauen zeigten. In den Dokumenten sind auch Entwürfe von E-Mails enthalten. Dort hatte Epstein unter anderem behauptet, er habe Gates Treffen mit "russischen Mädchen" vermittelt, die Gates mit Geschlechtskrankheiten angesteckt hätten. Epstein behauptete auch, dass er für Gates deshalb Medizin besorgt habe. Der Microsoft-Gründer habe zudem versucht, seiner damaligen Frau Melinda heimlich Antibiotika zu verabreichen, um sie vor einer Infektion zu schützen. Eine Affäre zu zwei russischen Frauen hat Gates bislang tatsächlich eingeräumt, alle anderen Vorwürfe allerdings stets bestritten. Wie genau all das die Ehe von Gates belastet hat, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Melinda und Bill Gates hatten sich 2021 getrennt, nachdem sie 27 Jahre verheiratet waren. In einem Interview mit dem US-Sender NPR sagte Melinda Gates im vergangenen Februar, sie sei mittlerweile froh, "weg von all dem Dreck zu sein." "Nicht besonders mitteilsam" Ob Bill Gates sich zu Epsteins Behauptungen detaillierter geäußert hat, war am Mittwoch zunächst unklar. Die Befragung fand hinter verschlossenen Türen statt, eine Abschrift soll erst in den kommenden Tagen veröffentlicht werden. Gates äußerte sich nach der Befragung am Nachmittag nicht öffentlich. Die Meinungen der Ausschussmitglieder über Gates' Antworten gingen am Mittwoch auseinander. "Nicht besonders mitteilsam und offen" nannte der demokratische Abgeordnete Raja Krishnamoorthi die Ausführungen des Microsoft-Gründers. Gates habe sich zudem "ein wenig streitlustig" gezeigt. Sein Parteikollege Robert Garcia sprach dagegen davon, Gates habe sich "kooperativ" gezeigt. Der republikanische Abgeordnete Tim Burchett nannte die Gespräche "sehr intensiv". Zudem attestierte er Gates eine sehr gute Vorbereitung auf die Befragung. "Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob wir daraus wirklich viel mitnehmen können", sagte Burchett während einer Pause. Neuer Justizminister soll aussagen Auch die "New York Times" hatte zuvor berichtet, dass der Techmilliardär nicht unvorbereitet nach Washington gekommen war. Gates habe unter anderem zuvor Kontakt mit Jake Greenberg, dem ehemaligen Chefberater der Ermittlungsabteilung des Ausschusses, gehabt. Greenberg hatte noch bis zum vergangenen Dezember die Ermittlungen des Ausschusses zur Epstein-Affäre geleitet. Ruhe dürfte in dem Ermittlungskomplex um Epstein in den kommenden Wochen weiter nicht einkehren. Neue Erkenntnisse erhoffen sich die Mitglieder des Untersuchungsausschusses in den kommenden Wochen etwa von Todd Blanche: Blanche hatte seit April zunächst kommissarisch das Justizministerium geleitet. In der vergangenen Woche wurde er von Trump offiziell zum Nachfolger von Pam Bondi nominiert. Über die Personalie muss allerdings noch der Senat abstimmen. Im kommenden Monat wolle der Ausschuss allerdings auch, dass der Minister zu den Epstein-Ermittlungen aussagt, hatte der Vorsitzende James Comer angekündigt. Das Vorhaben wurde von anderen Mitgliedern des Ausschusses begrüßt. Der Demokrat Robert Garcia betonte etwa, Blanches Vorgängerin Bondi habe bei ihrer Befragung wiederholt die Verantwortung auf ihn abgewälzt. Blanche war zuvor bereits unter Bondi stellvertretender Justizminister gewesen.