Viele Tore, kaum Gegentreffer: Die Niederlande fahren mit einem starken Kader und viel Rückenwind aus der Qualifikation zur WM 2026. Die "Elftal" träumt dabei einen ganz großen Traum. Die Niederlande reisen mit breiter Brust zur WM 2026 . Als souveräner Gruppensieger der Qualifikation überzeugt das Team von Ronald Koeman defensiv wie offensiv : 27 Tote bei vier Gegentreffern in zehn Spielen sprechen eine klare Sprache. Was sollte also schon schiefgehen, könnte man meinen? Alles, wissen die niederländischen Fans: Bislang endete noch jede WM für die "Elftal" am Ende mit einer Niederlage. Zumal: In der Vorrunde wartet keine Laufkundschaft, doch genau daran misst sich der Anspruch der Niederländer. Da hilft es nicht, dass kurz vor dem Turnier gleich mehrere Spieler ausgefallen oder zumindest angeschlagen sind. Stammtorhüter Verbruggen verletzte sich an der Hüfte und droht, zumindest zu WM-Beginn nicht einsatzbereit zu sein. Jurrien Timber kam nach seiner Leisten-OP nicht wieder in Tritt und verpasst das Turnier . Bei Mittelfeld-As Xavi Simons steht das bereits seit Wochen fest. So haben sich die Niederlande für die Weltmeisterschaft qualifiziert Die niederländische Nationalmannschaft hat die Qualifikation mit acht Siegen und zwei Unentschieden als Gruppenerster abgeschlossen. Auffällig: Das Team ließ über alle acht Spiele hinweg nur vier Gegentore zu und schoss selbst 27 Treffer. Eine echte Torfabrik. Die einzigen Punktverluste gab es gegen Polen (zweimal 1:1). Den deutlichsten Sieg landete "Oranje" im Juni in Groningen. Beim 8:0 gegen Malta trafen sechs verschiedene Spieler, von ihnen Memphis Depay und Donyell Malen sogar doppelt. Auswärts blieb das Team ebenfalls stabil: In Litauen geriet die Niederlande zwar zweimal in Rückstand, drehte das Spiel aber – Depay traf wiederum zweimal. Depay war auch über die gesamte Qualifikation mit neun Treffern bester Torschütze der Niederländer. Dahinter folgen Cody Gakpo und Donyell Malen mit jeweils vier Treffern. Das sind die Vorrundengegner der Niederlande bei der WM 2026 Das Team von Trainer Ronald Koeman ist als Gruppenkopf in der Vorrunde der WM 2026 gesetzt. Dabei treffen die Niederlande in der Gruppe F auf folgende Gegner: Japan – 14. Juni, Dallas, 22 Uhr (MEZ): Japan zählt seit Jahren zu den konstanten Teams Asiens. Fast alle Spieler schnüren ihre Stiefel in den Top-Ligen Europas. Im Vergleich zu den Niederlanden verfügt das Team aber über weniger individuelle Tiefe. Schweden – 10. Juni, Houston, 19 Uhr (MEZ): Den Schweden gelang in der Qualifikation das Kunststück, ohne einen einzigen Sieg weiterzukommen . Das Team hat eine der gefährlichsten Offensivreihen Europas, angeführt von den Top-Stürmern Alexander Isak und Viktor Gyökeres sowie dem Spielmacher Dejan Kulusevski. Die Mischung aus internationaler Erfahrung in europäischen Top-Ligen und jungen, hungrigen Talenten macht die Skandinavier zu einem Team, dem viele Experten einen weiten Vorstoß im Turnier zutrauen. Tunesien – in der Nacht zum 26. Juni um 1 Uhr (MEZ) in Kansas City: Die Nordafrikaner setzen auf eine kompakte Defensive und lange Phasen ohne Ball. Gegen tief stehende Gegner haben die Niederlande bereits in der Qualifikation mehrfach gut ausgesehen. Alle Gruppenspiele der Niederländer in der Gruppe F werden in den USA ausgetragen. Die "Oranje" ist klarer Favorit auf den Gruppensieg, hat aber keinen echten "Fußball-Exoten" als Vorrundengegner. Die wichtigsten Spieler der "Elftal" bei der Fußball-WM 2026 Memphis Depay (31, Atlético Madrid , Marktwert: ca. 7 Mio. Euro): Er erzielte in der Qualifikation nicht nur die meisten niederländischen Tore, sondern oft genug auch die wichtigsten: gegen Finnland zum 1:0, in mehreren Partien in Schwächephasen der eigenen Mannschaft. Er übernimmt Verantwortung, auch vom Elfmeterpunkt. Cody Gakpo (26, FC Liverpool, Marktwert: ca. 60 Mio. Euro): Gakpo traf viermal in der Qualifikation, dreimal per Elfmeter. Er ist technisch beschlagen, robust und kopfballstark, gestählt in vielen Partien der Premier League und der Champions League. Donyell Malen (26, Aston Villa , Marktwert: ca. 45 Mio. Euro): Der Ex-Dortmunder kommt gerne über die Halb- oder die Außenpositionen, ist schnell, konterstark und torgefährlich. In der Qualifikation traf er viermal, gleich doppelt beim 8:0 gegen Malta. Virgil van Dijk (34, FC Liverpool , Marktwert: ca. 15 Mio. Euro): Der fast zwei Meter große van Dijk ist der unumstrittene Führungsspieler und Kapitän der "Elftal". Mehr noch: Er ist als Zielspieler bei ruhenden Bällen extrem torgefährlich. In Laufduellen allerdings zeigt sich: Er ist nicht mehr so schnell wie früher. Tijjani Reijnders (27, AC Mailand , Marktwert: ca. 50 Mio. Euro): Der Mittelfeldspieler traf zweimal (gegen Malta und Litauen) in der Qualifikation. Sein Zug zum Tor ist für "Oranje" ein Schlüssel, weil er Räume für die Angreifer schafft. Das ist der Trainer Ronald Koeman Ronald Koeman ist bereits zum zweiten Mal Bondscoach der Niederlande. Bereits zwischen 2018 und 2020 stand er für sein Land an der Seitenlinie. Koeman hat als Spieler bei allen großen niederländischen Vereinen gespielt, zudem lange beim FC Barcelona . Auch als Trainer kam Koeman herum: Amsterdam, Lissabon, Eindhoven, Valencia, Rotterdam, Southampton, Everton und Barcelona waren seine Stationen. An seiner Seite arbeitet sein Bruder Erwin Koeman als Assistent, eng eingebunden in Trainingsarbeit, Vorbereitung und Analyse. Mit Deutschland verbindet Koeman eine ganz besondere Rivalität. Er war Libero der niederländischen Nationalmannschaft der späten 80er- und frühen 90er-Jahre, die sich mit dem DFB-Team hitzige Schlachten lieferte. Bei der Euro 1988 in Deutschland warf Holland den Gastgeber im Halbfinale aus dem Turnier und holte später den Titel im Land des Erzrivalen. Nach dem Halbfinal-Triumph wischte sich Koeman mit einem Trikot der Deutschen vor der Tribüne den Allerwertesten ab. 1990 dagegen schied er bei der WM in Italien gegen die deutsche Mannschaft rund um Lothar Matthäus , Jürgen Klinsmann und Andreas Brehme im Achtelfinale aus. So spielen die Niederländer "Totaalvoetbal" – jahrzehntelang war "der totale Fußball" die einzige in den Niederlanden akzeptierte Art, das Spiel zu spielen: Ständige Positionswechsel innerhalb eines 4-3-3-Systems und hohes Pressing machten den niederländischen Fußball attraktiv. Die ganz großen Titel blieben trotzdem selten, zum WM-Triumph reichte es nie. Nachdem seine Vorgänger Frank de Boer und Louis van Gaal mit anderen Systemen experimentiert hatten (und gescheitert waren), hat Koeman das 4-3-3 zurückgebracht, aber neu interpretiert: Die Außenverteidiger schieben kontrolliert nach, das Zentrum bleibt stabil besetzt. Statt permanenter Positionswechsel setzt das Team auf klare Raumaufteilung, gezielte Tempowechsel und strukturiertes Pressing. Vor allem gegen defensive Gegner spielt Holland so erfolgreich, ist aber anfällig, wenn der Gegner früh und hoch anläuft. Dass mit Xavi Simons einer der besten und torgefährlichsten Techniker die WM verletzungsbedingt verpasst, tut allerdings weh. So hat "Oranje" bisher bei Weltmeisterschaften abgeschnitten Die Niederlande zählen zu den konstantesten WM-Teilnehmern Europas, warten jedoch weiterhin auf ihren ersten Titel. Dreimal stand die "Elftal" im Finale, jedes Mal blieb am Ende Platz zwei: 1974 in Deutschland, 1978 in Argentinien und 2010 in Südafrika. Besonders das Endspiel von Johannesburg gegen Spanien, entschieden in der Verlängerung, gilt als eines der prägendsten Spiele der niederländischen WM-Geschichte. 2018 verpassten sie das Turnier. Bei der WM 2022 in Katar scheiterte "Oranje" im Viertelfinale im Elfmeterschießen an Argentinien. Die Bilanz zeigt: Die Niederlande sind bei Weltmeisterschaften fast immer ein Faktor – für den ganz großen Wurf aber hat es nie gereicht. Warum eigentlich "Oranje" oder "Elftal"? "Oranje" verweist auf die Nationalfarbe, die mit dem Königshaus Oranien verbunden ist. "Elftal" bedeutet "Elf" und steht als Kurzform für die Nationalmannschaft. Die Fanaufmärsche der Schlachtenbummler der "Oranje" können ganze Städte in ihre Farbe hüllen.