So viele US-Amerikaner wie seit Jahren nicht mehr geben ihren Pass ab. Die Gründe reichen von Steuerpflichten bis hin zu politischer Ernüchterung. Die Zahl der US-Bürger, die ihrer Staatsangehörigkeit den Rücken kehren, ist zuletzt deutlich gestiegen. Nach Auswertungen der Organisation Americans Overseas wurden 2025 insgesamt 4.889 Ausbürgerungen registriert. Das wäre der höchste Wert seit dem Jahr 2020. Die Gründe für diesen Schritt sind unterschiedlich. Viele Betroffene verweisen vor allem auf steuerliche Pflichten, die US-Bürger auch dann erfüllen müssen, wenn sie dauerhaft im Ausland leben. Für andere spielen auch persönliche und politische Motive eine Rolle – darunter die Entwicklung der USA unter Präsident Donald Trump . Zu ihnen gehört die 34-jährige Erin Klatt. Die US-Amerikanerin lebt seit rund zehn Jahren in Neuseeland und erhielt dort inzwischen die Staatsbürgerschaft. Dem Sender CNN sagte sie, sie habe sich nie besonders eng mit den Vereinigten Staaten verbunden gefühlt und sei seit Jahren unzufrieden mit der politischen Entwicklung der USA unter Trump. Der Verzicht auf ihren US-Pass habe sich deshalb wie ein naheliegender Schritt angefühlt. Regionen müssen rationieren: Treibstoffkrise in Russland weitet sich aus Trump über Deutsche: "Waren nicht für uns da" "Würde das nicht tun, wenn es die Wahl nicht gegeben hätte" Auch andere Betroffene nennen die US-Politik als Auslöser. Ein in London lebender US-Amerikaner sagte der "Washington Post", die Präsidentschaftswahl habe seine Entscheidung maßgeblich beeinflusst: "Ich würde das nicht tun, wenn es die Wahl nicht gegeben hätte." Er könne nicht nachvollziehen, warum so viele Amerikaner Trump unterstützten. Die auf Sizilien lebende Unternehmerin Jennifer Sontag bezeichnete Trumps ersten Wahlsieg 2016 im Gespräch mit CNN als den "letzten Tropfen", der sie dazu bewegt habe, die USA dauerhaft zu verlassen. Sie bereitet nach eigenen Angaben inzwischen ebenfalls den Verzicht auf ihre US-Staatsbürgerschaft vor. Insbesonders "Accidental Americans" betroffen Experten warnen jedoch davor, die Entwicklung allein politisch zu erklären. Nach Einschätzung der Organisation Americans Overseas stehen bei den meisten Ausbürgerungen weiterhin steuerliche und bürokratische Belastungen für im Ausland lebende US-Bürger im Vordergrund. Die USA gehören zu den wenigen Staaten weltweit, die ihre Bürger unabhängig vom Wohnort zur Abgabe von Steuererklärungen verpflichten. Nach Angaben von Americans Overseas erwägen deshalb viele im Ausland lebende Amerikaner den Verzicht auf ihre Staatsbürgerschaft. Besonders betroffen sind sogenannte Accidental Americans. Dabei handelt es sich um Menschen, die etwa durch Geburt in den USA oder durch amerikanische Eltern automatisch die US-Staatsbürgerschaft besitzen, häufig aber ihr gesamtes Leben außerhalb der Vereinigten Staaten verbracht haben. Verbände kritisieren, dass diese Personen wegen Steuer- und Meldepflichten in den USA teilweise Schwierigkeiten bei Banken und Finanzdienstleistern im Ausland haben. US-Regierung hat Kosten für Ausbürgerung gesenkt Der Verzicht auf die US-Staatsbürgerschaft ist ein aufwendiger Prozess. Antragsteller müssen nachweisen, dass sie eine andere Staatsangehörigkeit besitzen, ihre Steuerangelegenheiten der vergangenen Jahre offenlegen und persönlich vor einer US-Auslandsvertretung erscheinen. Erst dort kann die formelle Verzichtserklärung abgegeben werden. Zuletzt könnte ein weiterer Faktor die Entwicklung der Zahlen beeinflussen. Die US-Regierung hat die Gebühr für die Ausbürgerung in diesem Jahr von 2.350 auf 450 Dollar gesenkt. Beobachter erwarten deshalb, dass die Zahl der Ausbürgerungen auch 2026 auf hohem Niveau bleiben könnte.