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USA unter Trump und Silicon Valley: "Könnte für Musk schlecht aussehen"

Das Silicon Valley und seine Tech-Elite sind zum Machtzentrum in den USA avanciert. Doch was haben Elon Musk und Co. mit dem Staat vor? Stanford-Professor Adrian Daub hat nachgeforscht – und attestiert den Tech-Milliardären erstaunliche Unreife. Washington , D.C. ist die Hauptstadt der Vereinigten Staaten. Doch das Silicon Valley spricht ein gehöriges Wort dabei mit, was in den USA geschieht oder nicht. Tech-Milliardäre wie Elon Musk und Mark Zuckerberg konzentrieren zunehmend ungeheure Mengen an Reichtum, Macht und Einfluss. Aber was wollen diese Männer eigentlich? Und was verstehen sie überhaupt unter Herrschaft? Adrian Daub, Professor im kalifornischen Stanford, ist diesen Fragen nachgegangen. Im Gespräch erklärt der Autor des Buches "Was das Valley herrschen nennt", worauf es Musk und Co. abgesehen haben. t-online: Professor Daub, wer herrscht eigentlich in den Vereinigten Staaten? Adrian Daub: Donald Trump sitzt zwar im Weißen Haus, aber eigentlich hat das Silicon Valley die Macht in den USA übernommen. Konzerne wie Meta und Palantir, Männer wie Elon Musk sprechen ein entscheidendes Wort dabei mit, was im Land geschieht. Vor allem aber bestimmen sie darüber, was nicht geschehen soll: dazu gehört die Regulierung ihrer Konzerne und der Künstlichen Intelligenz. Nun ist Trump in seinem Wankelmut sicher kein willfähriger Bundesgenosse. Trump ist unberechenbar. Die Tech-Milliardäre haben zudem einen großen Fehler begangen, sich derart an Trump zu ketten: einen Mann, der, nebenbei gesagt, ein Autokrat, womöglich gar ein Faschist ist. Trumps Zuspruchswerte bei den Amerikanern liegen mittlerweile bei rund 30 Prozent. Selbst bei Trumps loyalsten Unterstützern – weißen Evangelikalen – verliert seine Politik an Rückhalt. Also ist ein Ende der Allianz zwischen Trump und dem Silicon Valley denkbar? Politische Bündnisse sind in der Regel Bündnisse auf Zeit – und auch das Bündnis zwischen dem Silicon Valley und Donald Trump ist nicht für die Ewigkeit. Nur: wenn Trump dann irgendwann einmal Geschichte ist, wie werden dann die, die ihm nachfolgen, auf seine Steigbügelhelfer aus Nordkalifornien blicken? Ihr aktuelles Buch trägt den Titel "Was das Valley herrschen nennt": Wie herrschen Tech-Milliardäre und Tech-Konzerne denn? Die Situation ist paradox. Denn eigentlich wollen uns die mächtigen Männer des Silicon Valley nicht regieren. Dafür interessieren sie sich nicht. Was sie wollen, ist Kontrolle. Das nennt das Valley herrschen: Es geht um die Verteidigung von Privilegien und Hierarchien – darauf sind sie fixiert. Entscheidende Faktoren sind dabei Autorität und Kontrolle, Aufsicht und Dominanz. Elon Musk hat Trump im Wahlkampf 2024 mit Riesensummen unter die Arme gegriffen, später hat er mit der sogenannten Effizienzbehörde Doge die Kettensäge an missliebige Teile der US-Administration gelegt. Was hat das Silicon Valley mit dem Staat vor? In ihrer Denkweise wollen nicht wenige dieser Leute den Staat eigentlich ersetzen. Das dürfte ihnen aber gar nicht so leichtfallen: Denn Leute wie Elon Musk, Mark Zuckerberg und Marc Andreessen denken libertär – gerade deswegen brauchen sie den Staat als Gegenpol, gegen den sie sich positionieren können. Andererseits greifen sie mittlerweile fast aus Selbstschutz nach den Funktionen des Staates, wollen ihre Anwendungen – Stichwort KI – mit diesem identisch machen. Aber grundsätzlich will das Silicon Valley den Staat übertrumpfen? Das trifft es genau. Die Leute aus dem Silicon Valley wollen ihre Überlegenheit demonstrieren. Wieder und immer wieder. Nehmen wir diese Idee eines Hyperloops, mit dem Musk 2013 auftrumpfte: Warum hat Musk das getan? Weil er die Idee eines Hochgeschwindigkeitszuges in Kalifornien unerträglich fand. Ein Typ wie Elon Musk will stets zeigen, dass er es besser kann. Mittlerweile befindet er sich – wie andere auch – in einem neuen Stadium: Sie wollen den Staat übernehmen. Haben sie überhaupt die Fähigkeit dazu? Es ist einigermaßen paradox: Einerseits glauben die Chefs des Silicon Valley, dass ihnen das Herrschen im Blut liegt. Aber andererseits trauen sie sich selbst Herrschaft ziemlich offensichtlich nicht wirklich zu. Diese Alphamännchen des Silicon Valley sind dünnhäutig und unsicher – das lässt sich bei zahlreichen Gelegenheiten diagnostizieren. Ihre Unternehmen ahmen ihre Gründer in dieser Hinsicht nach: Schauen wir doch, wie mächtig die großen Tech-Konzerne sind und wie sie sich als Underdog aufführen, sobald es ein wenig Gegenwind gibt. Souverän ist das wohl kaum. Der Staat ist also Instrument und Verfügungsmasse in einem? Die Start-ups von früher sind heute die Platzhirsche. Sie sind riesig geworden, sie sind behäbig geworden. So behäbig, dass sie den Staat benötigen, um die kleineren neuen Gegenspieler, die ihnen gefährlich werden können, auszubooten. Stichwort TikTok. Nur wenn das Silicon Valley wiederum selbst übergriffig wird, dann mimt es den Außenseiter, den zarten Sprössling, der Schutz verdient hat. Die Künstliche Intelligenz plagiiert unaufhörlich das geistige Eigentum von Menschen. Wenn Sie sich anschauen, wie diese Unternehmen das zu rechtfertigen versuchen, dann häufig mit einer doppelten Pose: Allmacht (das kommt eh, dem sollte man sich nicht in den Weg stellen) und Ohnmacht (alle hacken auf uns herum, wenn jetzt zu stark reguliert wird, wird dieser Industriezweig ruiniert und die Chinesen überholen uns). Leiden Musk, Zuckerberg und andere womöglich an einer Art Minderwertigkeitskomplex? Männer wie diese haben ein Gespür dafür, wer Macht verdient. In diesem Fall werden sie zu Opfern ihres eigenen Denksystems: Denn sie sind unsicher, ob sie selbst solche Macht verdienen. Macht das diese Männer nicht noch gefährlicher? Das macht sie ziemlich gefährlich. Das Silicon Valley versteht unter Herrschen letztlich Dominanz. Eben diese Variante der Dominanz politisiert sich immer stärker: Allerdings nur in dem Sinne, dass sie mehr politischen Einfluss will. Verantwortung wollen diese Leute nicht übernehmen, die Konsequenzen wollen sie schon gar nicht akzeptieren. Das Silicon Valley will also die Früchte ernten, ohne die dafür notwendige Vorarbeit zu leisten. Haben Sie eigentlich in Musks SpaceX investiert? Das habe ich aus moralischen Gründen lieber sein lassen. Warum fragen Sie? Weil SpaceX heute eine ebenso riskante Wette ist, wie es viele der großen Tech-Konzerne ursprünglich einmal gewesen sind. Richtig. Wenn realistische Profitperspektiven tatsächlich die Richtschnur für entsprechende Investitionen sind, dann wäre keines der großen KI-Unternehmen heute derart viel wert. Und auch SpaceX hat beim Börsengang die Hoffnung auf Rendite vor allem mit KI begründet. Es könnte sich erweisen, dass der Kaiser, also Musk, am Ende nackt dasteht. Nicht wenige Firmen des Silicon Valley waren lange Zeit unprofitabel: Ihr Erfolg konnte sich nur einstellen, weil viele, viele Menschen, darunter die Geldgeber, etablierte Maßstäbe bei der Bewertung dieser Unternehmen nicht angewendet haben. Und es in manchen Fällen bis heute nicht tun. Da reiht sich nun SpaceX ein. Es herrschte Goldgräberstimmung? Die gab es durchaus, aber es war mehr als das. Es war eine Denkart, die sagte, dass Kapitalismus im Nimbus dieser Unternehmen nach anderen Regeln funktioniere. Nach der Entzauberung des Silicon Valley hat sich dann herausgestellt, dass diese einstige Wunderwelt auch aus nichts anderem besteht als Konzernen, ihre Gründer nichts anderes sind als CEOs. Noch herrscht eine gewisse Unabwendbarkeit, was etwa Elon Musk betrifft. Aber auch sein Kartenhaus kann irgendwann einstürzen. Welches Szenario ist denkbar? Musk will uns weismachen, dass er und seine Unternehmen alternativlos seien. Aber das stimmt so nicht. Nehmen wir den Fall, dass Jeff Bezos seine Weltraumunternehmen ebenfalls erfolgreich an die Börse bringt und im Weißen Haus zukünftig wieder ein Demokrat einzieht. Dann könnte es für Musk schlecht aussehen. Droht dieses Schicksal auch anderen im Silicon Valley? Das ist keineswegs unrealistisch. Ich hege meine Zweifel, ob sich mit ChatGPT und ähnlichen Diensten so viel Geld verdienen lassen wird, dass es die astronomisch hohe Bewertung von OpenAI an der Börse rechtfertigt. Irgendwann wird sich die Realität mit den Erwartungen der Investoren und Aktionäre messen lassen müssen. Die Künstliche Intelligenz bewirkt Hoffnung und Ängste zugleich. Letztere reichen von Massenarbeitslosigkeit bis hin zur Auslöschung der Menschheit. Es gibt eine KI-Blase an den Börsen, es gibt diese Hoffnung, diesen Wunderglauben an die Möglichkeiten der KI. Das kann nur schiefgehen. Ich schenke – ehrlich gesagt – auch den Untergangsszenarien wenig Glauben, dass die KI unser aller Jobs zunichtemachen wird. Ja, es mag Einschnitte geben, Entlassungswellen aufgrund von Chefs, die überzeugt sind, "die KI" mache das jetzt. Aber warum erzählen die Tech-Unternehmer diese Horrorgeschichten, die wirklich jeden normalen Menschen gruseln? Weil sie sie nicht uns erzählen, sondern den Investoren, die riesige Erwartungen hegen. KI-Warnungen aus Silicon Valley sind Werbeslogans, nur sind Sie und ich eben nicht die Zielgruppe. Donald Trump hegt ebenso große Erwartungen an die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz. Der US-Präsident legt den KI-Unternehmen keine Regularien in den Weg. Trump ist auf dem Gebiet wenig bewandert, er will vor allem Erfolge sehen. Und zwar in den USA, nicht in China oder Europa. Bei der KI-Entwicklung geht dieses furchtbare Wort von der Alternativlosigkeit um: Sie wird ohnehin kommen, was sollen wir tun? Dazu kommt die massive Einflussnahme des Silicon Valley, um eine Regulierung zu vermeiden. Die Chefs dort feiern KI aber noch aus einem anderen Grund. Welchen? Für viele Tech-Chefs verspricht KI die Zerstörung des mittleren Managements in den betreffenden Unternehmen. Das ist eine Klasse, die in den letzten fünf bis zehn Jahren doch stark aufgemuckt hat gegen die Chefetage: Sie hat für mehr Professionalisierung am Arbeitsplatz und gegen Diskriminierung gekämpft, auch politische Fragen spielten eine Rolle. Nun ist die KI da, das ist die Rache der Tech-Bosse: Sie sind auf Bestrafung aus. Wie ticken diese Milliardäre eigentlich? Diese Leute sind erstaunlich unreif. In dem Sinne, dass sie in ihrer Sozialisation bestimmte Entwicklungsstufen übersprungen haben. Wer jung in einem Unternehmen anfängt, arbeitet mit unterschiedlichen Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Alters auf verschiedenen Hierarchiestufen zusammen. So arbeiten sich die Leute hoch, so lernen sie, mit anderen zu kooperieren. Die Tech-Bosse des Silicon Valley sind anders, sie fingen jung gleich als Chef an. Unterordnung empfinden sie als Demütigung, eine Hierarchie ist für sie nur dann akzeptabel, wenn sie an der Spitze stehen. Es ist ein Fall von "arrested development", wie man im Englischen sagt: Entwicklungsstillstand. Musk, Zuckerberg, Bezos haben ihre Karrieren jung gestartet, nun sind sie sichtlich gealtert. Musk wirkt, als hechele er einer Jugend hinterher, an die er sich nur ungefähr erinnert. Wissen Sie noch, als er angeblich nach der Twitter-Übernahme im Hauptquartier an der Market Street auf einer Matratze übernachtet hat? Ein derartiges Verhalten ist bezeichnend für diese Menschen, die einerseits ihrem Selbstverständnis nach das Leben eines Berufsjugendlichen führen, andererseits aber eigentlich Rentner sind. Und zwar ungeheuer reiche Rentner. Aber sie haben in prägenden Phasen ihres Lebens nicht die Erfahrungen gemacht, wie wir sie kennen. Scheitern zum Beispiel. Sind die Tech-Milliardäre glückliche Menschen? Das halte ich für unwahrscheinlich. Ja, sie sind reich, aber umgeben von Ja-Sagern und Leuten, die von ihnen profitieren wollen. Und ihr absurder Reichtum gibt ihrem Leben etwas Waberndes, Undefiniertes. Wir reden immer über die Milliardäre aus dem Silicon Valley, dabei sind diese Leute dort doch meist schon lange weg. Sie können sich überall aufhalten, Peter Thiel will ja nun nach Argentinien umziehen. Wobei Umzug ein falsches Wort dafür ist, er lässt kaum sein Haus in den USA ausräumen, um alles darin nach Südamerika zu verschiffen. Diese Menschen können ebenso wenig wegziehen wie hier sein. In Ihrem Buch untersuchen Sie auch den Aspekt Männlichkeit unter den Bossen des Silicon Valley. Was haben Sie festgestellt? Mark Zuckerberg musste 2018 vor dem Senat erscheinen. Das hat ihn in seiner Männlichkeit getroffen: Als er bei der Befragung angeblafft wurde, wirkte er wie ein Schulbub, der gemaßregelt wurde. Das war er nicht gewohnt, das mochte er gar nicht. Denn das trifft sich mit dem eigenen Gefühl der Unsicherheit, seine Macht nicht verdient zu haben. Dazu kommt, dass eine bestimmte Form der Männlichkeit damals das Gefühl hatte, bei der Professionalisierung der einstigen Start-ups ins Hintertreffen zu geraten: eben eine Männlichkeit der Dominanz. Und dominant wollen Zuckerberg und Co. eigentlich sein. Das ist auch die Verbindung zu Trumps MAGA-Bewegung. Moment! Diese ultrareichen und einflussreichen Männer sind tief in Ihrem Inneren wirklich derart unsicher? So ist es. Musk weiß nicht, wer er ist. Ich denke auch, dass die sozialen Medien ihn zugrunde gerichtet haben, auf eine Art und Weise, die wir gemeinhin mit im Sozialleben abgehängten Menschen assoziieren. Seien wir doch ehrlich, er wirkt peinlich. Mark Zuckerberg werden hingegen diese Fragen umtreiben: Wie viel von seinem Erfolg beruht auf den eigenen Fähigkeiten, was war schlichtweg Glück? Nach Facebook wollte Zuckerberg der geniale Erfinder des Metaverse werden. Aber das ist aufs Kläglichste gescheitert. Es wird an ihm nagen. Die USA befinden sich also im Augenblick ihres 250. Geburtstages unter der Herrschaft Donald Trumps und einer Gruppe unreifer Tech-Unternehmer? Wenn ich einen Witz umwandeln darf, den Sigmund Freud einmal zitiert hat: Nichts ist schlimmer als eine große Zukunft hinter sich zu haben. Diese Worte treffen auf Donald Trump und das Silicon Valley zu. Wir haben bereits darüber gesprochen, mit ihrem Bündnis mit Trump haben die Tech-Bosse einen schweren Fehler begangen. Denn sie haben ihr wahres Gesicht gezeigt. Und das könnte sich wiederum an ihnen rächen. Vielen Dank für das Gespräch, Professor Daub.

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