Verkehrsprojekt: Lückenschluss für neue Rader Hochbrücke
Projektleiter Steinkühler rechnet mit 100 Jahren Haltbarkeit für die neue Rader Hochbrücke. Was beim spektakulären Einhub besonders beachtet werden muss.
Mit einem Kraftakt durch mehrere Schwerlast-Krähne wollen Experten in der Nacht zum Donnerstag das Mittelstück der neuen Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal einsetzen. Das 118 Meter lange Brückenteil wiegt 1.250 Tonnen. „Das größte Risiko bei so einem Einhubvorgang ist der Wind“, sagte Projektleiter Martin Steinkühler von der bundeseigenen Projektmanagementgesellschaft Deges der Deutschen Presse-Agentur. „Aber wir sind sehr zuversichtlich, dass die Wetterbedingungen morgen Nacht sehr gut sind, sodass wir tatsächlich pünktlich durchkommen.“
Der Neubau war notwendig geworden, nachdem Experten im Sommer 2013 bei einer Routineprüfung der bislang genutzten Brücke starken Verschleiß an den Betonelementen festgestellt hatten. Die Brücke musste danach zum Teil für Lastwagen gesperrt werden. Sachverständige bescheinigten eine Restnutzungsdauer nur noch bis Ende 2026.
100 Jahre Nutzungsdauer?
Projektleiter Steinkühler ist von der Haltbarkeit des neuen Bauwerks überzeugt. „Es ist eine Nutzungsdauer von 100 Jahren möglich“, sagte der 63-Jährige. „Wenn es in Schleswig-Holstein kein Erdbeben gibt.“ Zum Vergleich: Während bei der alten Rader Hochbrücke 330 Kilogramm Stahl je Quadratmeter verbaut seien, komme die neue Brücke auf 550 Kilogramm je Quadratmeter. Zudem liege eine Betonplatte auf ihr.
Das ist entsprechend teuer. Die Deges gibt die Kosten für die erste der beiden neuen Brücken mit 307 Millionen Euro an. Ende 2026 sollen die ersten Autos darüber rollen. Danach soll der Abriss der alten Brücke starten und 2028 an gleicher Stelle der Bau der zweiten neuen Brücke beginnen.
Insgesamt betragen die Projektkosten laut Deges knapp 900 Millionen Euro. Auf der neuen Brücke werden je Richtung drei Fahrstreifen zur Verfügung stehen - wie dann auf der gesamten Strecke zwischen der A7-Anschlussstelle Büdelsdorf und dem Autobahnkreuz Rendsburg. Die Gesamtlänge der Baumaßnahme beträgt nach Deges Angaben 5,3 Kilometer. Auf insgesamt 6,9 Kilometern werden Lärm- und Windschutzwände errichtet.
Für Steinkühler ist die neue Rader Hochbrücke bereits die fünfte oder sechste Großbrücke in seinem Berufsleben. „Ich bin leidenschaftlicher Brückenbauer“, sagt er. Brücken verbänden Menschen und Länder. Die aktuelle Rader Hochbrücke führt die A7 östlich von Rendsburg über den Nord-Ostsee-Kanal und die Borgstedter Enge. Das knapp 1.500 Meter lange Bauwerk wurde 1972 für den Straßenverkehr freigegeben.
Kanal wird gesperrt
Für die Arbeiten über dem Nord-Ostsee-Kanal muss die künstliche Wasserstraße am Mittwoch vorübergehend für den Schiffsverkehr gesperrt werden. Der sogenannte Einhub des Mittelteils soll am Abend starten und wird voraussichtlich bis in die Morgenstunden dauern. Mit Hilfe von Schwerlast-Krähnen auf beiden Seiten der Brücke wollen Experten das Brückenteil vom Ponton anheben und in 50 Metern Höhe einsetzen. Am Dienstag war das Bauteil auf einen Spezial-Ponton verladen worden.
Der Grund für den am frühen Morgen geplanten Lückenschluss sind die dann dort herrschenden relativ niedrigen Temperaturen. „Der Grund, warum wir das nachts machen, ist, dass morgens um 5.00 Uhr das Bauwerk am kühlsten, am kältesten ist und damit die Lücke auch am größten. Denn Stahl und Beton zieht sich bei Kälte zusammen und dehnt sich bei Wärme aus und wir wollen sichern, dass wir oben auch in die Lücke reinpassen“, sagte Steinkühler.