Tonnenweise Kokain erreicht Europa über den Seeweg. Weil Schmuggler immer häufiger auf wendige Speedboote setzen, fordert eine europäische Organisation neue Mittel im Kampf gegen die Netzwerke – nach dem Vorbild der USA? Seit mehreren Jahren überschwemmt Kokain aus Südamerika Europa. Die Behörden können nur einen Bruchteil davon stoppen. Das möchte die europäische Organisation Maritime Analysis and Operations Centre – Narcotics (MAOC-N) jetzt ändern: In Zukunft soll auf Drogenschmugglerboote vermehrt geschossen werden dürfen, ähnlich, wie es in den USA bereits praktiziert wird. Früher wickelten Drogenkartelle den Schmuggel im Raum großer Häfen, wie Antwerpen, Hamburg und Rotterdam , ab. Die Drogen gelangten über Handelscontainer nach Mitteleuropa, der Zoll suchte vor Ort danach. Nachdem die Sicherheitsmaßnahmen dort erhöht wurden, verlagerte sich der Prozess zunehmend auf das Meer. Laut Ermittlungen von Europol nehmen Schmugglerbanden zunehmend Speedboote zu Hilfe, um das Kokain auf hoher See von großen Schiffen zu empfangen und so einzeln zum europäischen Festland zu transportieren. "Nächster Flug Richtung Moskau": Kiew droht Putin mit neuer Rakete Politik an Chameneis Sarg: Irans Führungsriege will das Land einen Andy Kraag, Abteilungsleiter für organisierte Kriminalität bei Europol, berichtete der Tagesschau , um die Crews und Schiffe mit Lebensmitteln und Benzin zu versorgen, seien im Raum zwischen den Azoren und Madeira , also vor der portugiesischen Westküste, regelrecht "schwimmende Häfen" entstanden. Ein einziges Speedboot kann bis zu fünf Tonnen Kokain aufnehmen, ist dabei aber schnell und wendig. Drogenschmuggel auf See: Kommt jetzt das US-Modell nach Europa? Um diese Form des Drogenschmuggels dennoch stoppen zu können, fordert die europäische Organisation MAOC nun, dass auf die Motoren der Schnellboote künftig geschossen werden darf. Das geht aus einem vertraulichen Papier der Organisation hervor, das diversen Medien, unter anderem auch dem NDR , vorliegt. Wörtlich fordert das Papier mit dem Titel "Call to Action", dass "die Anwendung von Gewalt bei Verfolgungsjagden auf See, einschließlich von Maßnahmen zum Stoppen der Motoren und für den Einsatz von Schusswaffen" zum Prozedere gehören solle. MAOC ist eine Vereinigung aus acht EU-Staaten, darunter auch Deutschland und Portugal . Sie fördert die Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des illegalen Drogenhandels über See- und Luftwege und dokumentiert entsprechende Operationen. Hier die Sicherstellung von Kokain in einem karibischen Fischerboot durch die französische Marine. Im Oktober 2025 kam es erstmals zu Schüssen von europäischer Seite auf ein Schmuggler-Speedboot. Damals wurden aus einem Hubschrauber der französischen Marine Schüsse auf den Motor des Bootes abgegeben, nachdem die Fahrer der Aufforderung, anzuhalten, nicht nachgekommen waren. 2,3 Tonnen Kokain wurden sichergestellt, die Crew festgenommen. Auf welcher rechtlichen Grundlage sich dieser von der MAOC koordinierte Militäreinsatz, genannt "Operation Galgo", stützte, ist nicht bekannt. In den USA, die ebenfalls mit dem Drogenschmuggel, insbesondere aus Kolumbien , Peru und Bolivien , kämpfen, gehören Schüsse auf die Boote der Schmuggler längst zum üblichen Prozedere. Allerdings gehen die Behörden hierbei erheblich weiter. Die Trump-Regierung hat Drogenkartelle als terroristische Organisationen eingestuft. US-Behörden feuerten bislang Dutzende Raketenangriffe auf mutmaßliche Schmugglerschiffe in der Karibik , bei denen mindestens 221 Menschen getötet wurden.