Seit mehr als acht Monaten ist die "USS Abraham Lincoln" unterwegs, ein Ende des Einsatzes ist nicht abzusehen. Angehörige berichten von Erschöpfung, Suizidgedanken und mehreren gefährlichen Vorfällen an Bord. Mehrere Besatzungsmitglieder des US-Flugzeugträgers "USS Abraham Lincoln" haben nach Angaben von Angehörigen versucht, über Bord zu springen. In mindestens einem Fall haben andere Seeleute einen Kameraden daran gehindert. Das berichten die militärnahen US-Medien "Military Times" und "Stars and Stripes". Der Flugzeugträger mit rund 5.000 Soldaten an Bord hatte seinen Heimathafen im kalifornischen San Diego bereits am 21. November verlassen. Ursprünglich sollte der Einsatz im Mai enden. Doch die US-Marine verlängerte ihn – einen neuen Termin für die Rückkehr hat sie bislang nicht öffentlich genannt. Krieg gegen den Iran : Im Pentagon wächst die Ratlosigkeit Wegen Fehlverhaltens? Pentagon setzt plötzlich Top-General in Europa ab Die "USS Abraham Lincoln" war zunächst für einen Einsatz im Pazifik ausgelaufen, wurde dann aber in den Nahen Osten verlegt. Dort unterstützte sie US-Militäroperationen gegen den Iran. Nach Angaben der Navy hat die Besatzung 40 Tage ununterbrochene Kampfeinsätze absolviert und 250 Tage in Folge auf See verbracht. Angehörige berichten von Suizidgedanken Wie groß die psychische Belastung an Bord inzwischen ist, schilderten Angehörige vergangene Woche bei einem Treffen mit hochrangigen Vertretern der Navy in San Diego. Rund 200 Familienmitglieder nahmen laut "Military Times" daran teil. Eine Frau berichtete demnach unter Tränen von einer Nachricht ihres Mannes: "Er hofft, dass er morgen nicht mehr aufwacht", sagte Annabelle Loma. Loma zufolge hat ihr Mann sogar versucht, von der "USS Abraham Lincoln" zu springen. Zuvor sei er wiederholt überlastet gewesen. Inzwischen befinde er sich unter medizinischer Beobachtung. "Er hat Angst", sagte Loma. Ihr Mann fürchte, unehrenhaft aus der Marine entlassen zu werden und nach 13 Dienstjahren seine Karriere zu verlieren. Bei einem weiteren Vorfall bemerkte ein Wachposten nach Angaben seiner Ehefrau Maria Rodriguez, wie sich ein Kamerad darauf vorbereitete, über Bord zu springen. Ihr Mann habe ihn angesprochen, sei zu ihm gelaufen und habe ihn an den Armen gepackt und zurück auf das Deck gezogen. Drei weitere Besatzungsmitglieder seien zu Hilfe gekommen. "Stars and Stripes" berichtete ebenfalls von einem Vorfall, bei dem Wachposten einen Soldaten daran gehindert hätten, über Bord zu springen. Ob es sich dabei um denselben Fall handelt, ist unklar. Die Navy machte keine Angaben dazu, wie viele Besatzungsmitglieder während des laufenden Einsatzes versucht haben, über Bord zu springen oder sich selbst zu verletzen. Kaum Pausen für die Besatzung Neben der psychischen Belastung berichten Soldaten und Angehörige von schwierigen Bedingungen an Bord. Demnach gab es zeitweise Probleme mit Lebensmitteln, Wasser, Post und Wäsche. Viele Besatzungsmitglieder hätten lange Arbeitstage und kaum freie Zeit. Auch die üblichen Landgänge fehlten weitgehend. Flugzeugträger laufen "Stars and Stripes" zufolge normalerweise etwa alle 30 bis 45 Tage einen Hafen an, damit Material aufgefüllt, das Schiff gewartet und die Besatzung entlastet werden kann. Die "USS Abraham Lincoln" legte Anfang Juli kurz im Oman an. Viele Soldaten durften das Schiff zwar verlassen, mussten aber in einem abgesicherten Bereich des Hafens bleiben. "Wir haben während des gesamten Einsatzes einfach immer weitergemacht", sagte ein Besatzungsmitglied "Stars and Stripes". Inzwischen sei die Moral so schlecht, dass viele Soldaten lieber auf weitere Zwischenstopps verzichten und direkt nach Hause fahren würden. "Alles, was wir wollen, ist ein Datum für die Heimkehr." Die Navy erklärte, die Führung überprüfe fortlaufend die psychische Einsatzbereitschaft der Besatzung. An Bord gebe es psychologische Berater, Seelsorger und medizinisches Personal. Zugleich verwies sie darauf, dass die Versorgung wegen der Kampfhandlungen in der Region erschwert worden sei. Die logistische Lage verbessere sich inzwischen. Wann die Besatzung nach San Diego zurückkehren kann, bleibt dennoch offen. Die Navy bereitet nach Angaben des amtierenden Marineministers Hung Cao die Flugzeugträgerkampfgruppe der "USS Theodore Roosevelt" darauf vor, die "Abraham Lincoln" abzulösen. Einen Zeitplan nannte er aus Gründen der Einsatzsicherheit nicht.