Der MDR hatte angekündigt, die Produktion neuer "Tatort" und "Polizeiruf 110"-Folgen für drei Jahre auszusetzen. Jan Josef Liefers kritisiert diese Entscheidung nun. Seit 2002 spielt Jan Josef Liefers im "Tatort" aus Münster mit. Als Rechtsmediziner Prof. Dr. Dr. Karl-Friedrich Boerne ermittelt er im beliebtesten Krimi der Reihe. Über die Zukunft beim "Tatort" muss sich Liefers vermutlich vorerst keine Sorgen machen. Anders ergeht es allerdings gerade seinen Kollegen und Kolleginnen aus Sachsen-Anhalt. Im Mai hatte die ARD erklärt, dass "Tatort" und "Polizeiruf 110" für drei Jahre pausieren. Der MDR nannte als Grund dafür die fehlende Erhöhung des Rundfunkbeitrags und die daraus entstehende Finanzierungslücke. Liefers hat diese Entscheidung jetzt im Gespräch mit Markus Lanz und Richard David Precht in deren Podcast "Lanz + Precht" kritisiert. Sparmaßnahmen: MDR stoppt "Tatort"- und "Polizeiruf"-Produktionen "Polizeiruf 110"-Star: "Fatale Entscheidung" Zunächst stellte er infrage, ob die beiden Produktionen wirklich nur für drei Jahre aussetzen würden. Für ihn sei diese Formulierung nur eine Umschreibung für "Wir lassen das". Diese Entscheidung habe ihn irritiert. "Das habe ich gar nicht verstanden", sagte er. Beide Formate seien "das Tafelsilber der ARD". "Man würde doch denken, dass es die totalitäre AfD wäre, die solche rabiaten Dinge tut. Jetzt macht es die ARD in Sachsen-Anhalt selbst", so Liefers. Weiter sagte er: "Ich komme ja aus dem Osten, da hatten wir diesen 'Polizeiruf', der es rübergeschafft hat ins westdeutsche Fernsehen. Der 'Polizeiruf' aus Magdeburg war sehr erfolgreich und der wird jetzt eingestellt und der 'Tatort' gleich dazu." Für ihn sei diese Entscheidung nicht nachvollziehbar. "Es ist das letzte große deutsche Lagerfeuer", meinte er. "Eingeständnis, dass sich der Rundfunk dringend reformieren muss" Lanz stimmte Liefers zu: "Das ist doch in Wahrheit ein Eingeständnis dafür, dass sich dieser Rundfunk dringend reformieren müsste", sagte er. "Wenn du eine vergleichsweise große Summe Geld im Jahr zur Verfügung hast und du nicht in der Lage bist, deine stilprägenden Programme weiterzuführen, dann musst du dir doch die Frage stellen, wie so etwas sein kann." Zuvor ging es in dem Gespräch der drei Männer um die am 6. September anstehende Wahl in Sachsen-Anhalt. Lanz meinte: "Da wird die ganze Welt draufschauen." Der Grund ist die Option einer ersten AfD-Regierung, die "die politische Arithmetik des Landes" neu sortieren würde, so Lanz. Liefers, der Erfahrungen mit einem autoritären System hat – er wurde 1964 in Dresden geboren und wuchs somit in der DDR auf – sieht einem möglichen Sieg der AfD gelassen entgegen. "Ich bin eigentlich nicht so negativ, wenn ich da hinschaue. Ich glaube nicht, dass das ein Weltuntergang sein wird", erklärte er. "Ich denke, dass die Demokratie eine starke und gut entwickelte Konstruktion ist und kein alter Tattergreis, der beim ersten Anstupser hinten überkippt." Deutschland hätte "mehr Resilienz, als uns der eine oder andere glauben machen will, wenn er den Teufel an die Wand malt". "Das ist das, was mir nicht gefällt" Der Schauspieler habe sich immer wieder für Freiheit und Demokratie eingesetzt. Die Zeit, in der zu Hause anders geredet wurde, als auf der Straße habe ihn sehr geprägt. Es gehöre zum "gelernten DDR-Bürger-Sein dazu, dass man sehr früh darüber aufgeklärt wird, dass die Gespräche in der Schule, auf der Straße oder mit Leuten, die man nicht so gut kennt, anders sind". In seiner Familie habe es keine Sprechverbote gegeben, er sei sehr liberal aufgewachsen. Er sei froh darüber, dass diese DDR-Zeiten vorbei sind. An der AfD stören ihn vor allem, "Fragen, die sich um Nationalismus drehen. Das ist das, was mir nicht gefällt." Die "nationale Idee eines gereinigten Volkes", damit habe er noch nie viel anfangen können.