Auf die Wahlen in Sachsen-Anhalt schauen nicht nur Politiker, sondern auch Investoren. Aber anders, als viele denken. Vor der Wahl in Sachsen-Anhalt sind die Warnungen vor einer AfD-Regierung fast überall zu lesen. Fast könnte man meinen, dass der Wahlausgang in einem Bundesland mit weniger als zwei Millionen Menschen die Blicke der Investoren auf Firmen in Deutschland grundlegend verändert würden. So wünschenswert für viele das Ausbleiben einer Mehrheit der AfD in Sachsen-Anhalt auch scheinen mag, so unbedeutend ist der Wahlausgang für internationale Investoren. Im Gegenteil: Die Gefahr und der Blick der Auslandsinvestoren richtet sich woanders hin. Dazu gibt es genügend Beispiele. Denn der Hauptkritikpunkt im In- und Ausland in den vergangenen Jahren bezieht sich darauf, dass die wirtschaftliche Tragfähigkeit Deutschlands und das mangelnde Ausschöpfen des Potenzialwachstums darin liegt, dass hohe Sozialausgaben, Bürokratie und eine verfehlte Energiepolitik das Land lähmen. Die Reaktion der Investoren kann man gut am Dax der letzten Jahre nachvollziehen. Ehe Friedrich Merz ins Amt gewählt wurde, legte der Dax eine imposante Rally hin. Der Grund lag darin, dass Investoren sich erhofften, dass mit Merz eine grundlegende Änderung der Politik eintreten würde. Als sich Ende 2025 abzeichnete, dass die Erwartungen enttäuscht würden, wandten sich die Investoren vom deutschen Aktienmarkt nach und nach wieder ab. Auch das Rekordhoch des Jahres 2026 kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Deutschland als Anlageziel unsexy ist. Dies liegt nicht an der AfD und Investoren fürchten sich auch nur in sehr geringem Maße vor einer AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt, sondern es liegt vielmehr an der Politik von SPD , Grünen oder vor allem der Linkspartei. Auch dafür gibt es Referenzen, bestens abzulesen an Aktien deutscher Immobilienunternehmen. Diese leiden massiv, ebenso wie das Land Berlin per se, an ausbleibenden Investitionen, da Kampagnen wie "Deutsche Wohnen & Co" enteignen Investoren davon abhalten, in Deutschland Wohnraum zu schaffen und ihr Geld renditeorientiert anzulegen. Gleichsam zeigt das Rekordhoch des deutschen Aktienindex im Gegensatz zu den auf viele Jahre auf der Stelle tretenden Indizes MDax, SDax und TechDax, wie die Sichtweise auf Firmen ist. Je größer der Auslandsanteil eines Konzerns, desto besser geht es ihm und desto besser wird man von internationalen Investoren gesehen. Heruntergebrochen könnte man formulieren, dass Gelder umso mehr in Konzerne fließen, je weniger sie mit Deutschland und vor allem deutscher Energiepolitik zu tun haben. Doch auch historisch gibt es ein interessantes Beispiel, welches zur potenziellen Wahl von Ulrich Siegmund respektive zur Kandidatur des AfD-Kandidaten passt. Denn Ende der 1990er-Jahre titelte eine große englische Boulevard-Zeitung "The Sun": "Is this the most dangerous man in Europe?" analog zum "Spiegel", der 2026 Ulrich Siegmund als gefährlichsten Mann Deutschlands bezeichnete , dass Oskar Lafontaine der gefährlichste Mann Europas sei. Dies sahen internationale Investoren aus wirtschaftlicher Sicht damals wirklich so und es mündete in ein Kursfeuerwerk, nämlich an jedem Tag, als bekannt wurde, dass Oskar Lafontaine die SPD-Regierung Schröder als Finanzminister verlassen würde. Lafontaine war damals nicht nur Bundesfinanzminister, sondern zugleich SPD-Vorsitzender. Er stand für einen deutlich stärker interventionistischen wirtschaftspolitischen Kurs und geriet damit zunehmend in Konflikt mit Bundeskanzler Gerhard Schröder . Streit gab es unter anderem über die Steuer- und Wirtschaftspolitik sowie über den Umgang mit den internationalen Finanzmärkten. Lafontaine hatte sich damit in kurzer Zeit zu einer zentralen Reizfigur für die Finanzmärkte entwickelt. Am 11. März 1999 trat Lafontaine überraschend als Bundesfinanzminister und als SPD-Vorsitzender zurück. Die Reaktion der Börse war außergewöhnlich. Am folgenden Handelstag schoss der Dax bereits in der ersten Viertelstunde um mehr als 300 Punkte beziehungsweise rund sechs Prozent nach oben. Die Börse setzte darauf, dass mit Lafontaine auch Teile seiner Steuer- und Wirtschaftspolitik verschwinden würden. Nie vorher und nie danach sprang der deutsche Aktienindex derart vehement, weil ein Politiker zurückgetreten war. Der Auslöser, die Ablösung des wirtschaftlich ultralinken Oskar Lafontaine mündet im bislang größten Kurssprung und es entspräche heute einem Dax-Sprung von mehr als 1.500 Punkten auf einen Schlag. Auch in Europa sehen wir, davon abgesehen, Referenzen, dass vermeintlich rechte Regierungen für Investoren alles andere als schädlich sein müssen. Das deutsche Magazin "Stern" betitelte Giorgia Meloni vor ihrer Wahl als gefährlichste Frau Europas. Mittlerweile ist Meloni nicht nur die am längsten regierende Ministerpräsidentin Italiens bis heute, sondern die Wirtschaft Italiens hat sich stabilisiert, hängt Deutschland ab und ebenso gleich tut es der italienische Aktienindex gegenüber dem Dax. Eine wirklich gefährliche Frau haben Investoren jedoch in der Tat auserkoren und ihre Wahl könnte Investitionen in Deutschlands größter Stadt nachhaltig verhindern – die Rede ist von Elif Eralp von der Linken und den Wahlen zum Abgeordnetenhaus in Berlin am 20. September.