Auch im Ausland werden die Erschütterungen der Landtagswahlen registriert. Dort hält man Friedrich Merz für kaum noch tragbar. Dennoch glauben viele nicht an einen baldigen Kanzlersturz. Nach diesem Sonntag liegt die CDU am Boden. In gleich zwei Landtagswahlen fährt die Partei von Bundeskanzler Friedrich Merz herbe Niederlagen ein, während die in Teilen rechtsextreme AfD und die Linke reüssieren. Besonders dramatisch ist für die Christdemokraten der verpasste Einzug in den Landtag in Mecklenburg-Vorpommern, eine historische Zäsur. So etwas hat es in der Partei noch nie zuvor gegeben. Der 70-jährige Merz verliert immer mehr an Rückhalt – nicht nur in der Bevölkerung. Wahldebakel für CDU: Diese Szenarien drohen Merz jetzt SPD: "Tut weh, wenn man diesen krassen blauen Balken sieht" Ausland blickt auf Friedrich Merz: "Niemand glaubt, dass er sich halten kann" Bei einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts Wahlen für das ZDF sagten am Sonntag nur ein Prozent der Bevölkerung, Kanzler Merz sei für das Abschneiden bei den Wahlen hilfreich gewesen. Und selbst unter den Anhängern seiner eigenen Partei fiel dieses Ergebnis nicht besser aus. 80 Prozent der Bevölkerung halten Merz sogar für "schädlich" für das Abschneiden der CDU. Immerhin 70 Prozent der CDU-Anhänger sagen dasselbe. Diese Entwicklung wird auch im Ausland genau beobachtet. Viele Medien kommentieren die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin und blicken dabei vor allem auf die Zukunft des politisch schwer angeschlagenen Kanzlers. Frankreich "Libération": "Kann Merz nach dem Erdbeben in Sachsen-Anhalt am 6. September das Nachbeben dieses Wochenendes überleben? (…) Ein 'Desaster' laut Merz selbst, der kurz das Wort ergriffen hat. Er will von einem Rücktritt nichts hören und sieht vor, seine Reformen durchzusetzen, die genauso unbeliebt sind wie er. (…) Dabei glaubt niemand, dass er sich bis zum Ende seiner Amtszeit halten kann. Am Ende könnte Merz von mangelndem Verlangen nach dem Job gerettet werden. Man drängelt sich nicht, um seine 'Reformen des Sozialstaats' durchzusetzen. Kanzler Deutschlands zu sein kommt derzeit einem angekündigten Selbstmord gleich. (…)" Großbritannien "The Telegraph": "Der mitte-rechts stehende CDU-Vorsitzende ist wegen seines Versagens, die angeschlagene deutsche Wirtschaft zu reformieren und den Aufstieg der AfD einzudämmen, unter Rücktrittsdruck geraten. Mit einer Zustimmungsquote von nur zehn Prozent ist er bei den Wählern und seinen eigenen Parteimitgliedern, die ihn als realitätsfern, unsensibel und arrogant bezeichnen, äußerst unbeliebt." "The Sunday Times": "Bundeskanzler Merz steht mit dem Rücken zur Wand, könnte aber mangels eines klaren Rivalen überleben(…) Das liegt teilweise daran, dass Merz nach wie vor keinerlei Neigung zeigt, zurückzutreten. Es liegt aber auch daran, dass es keinen überragend überzeugenden Kandidaten gibt, der ihn ersetzen könnte. (…) Merz ist noch lange nicht über den Berg und bleibt höchst anfällig für eine Herausforderung – könnte aber aufgrund des Mangels an ernstzunehmenden Herausforderern noch verschont bleiben." "BBC ": "Der umstrittene deutsche Kanzler hat versprochen, im Amt zu bleiben – obwohl Prognosen in zwei Landtagswahlen empfindliche Niederlagen für seine CDU zeigen. (...) Merz nennt die Ergebnisse 'ein Desaster' für die Partei. (...) Merz steht unter wachsendem Druck. Seine Beliebtheitswerte sind schwach, und es gibt Gerüchte, dass er noch während der Legislaturperiode in einem Kanzlertausch ersetzt werden könnte." Italien "La Stampa": "Die Architektin des beeindruckenden Comebacks (der SPD) in Mecklenburg-Vorpommern ist eine Frau – eine weitere standhafte Stütze gegen die nationalistische Rechte, die in Deutschland ebenfalls von den Stimmen verärgerter Männer profitiert und deren Aufstieg die Umfragen bis vor kurzem nicht auf dem Radar hatten. Manuela Schwesig , von ihren CDU-Gegnern "Küsten-Barbie" genannt, zerlegte Tag für Tag die fadenscheinigen Wirtschaftskonzepte ihrer AfD-Konkurrenten. (…) Während die SPD in den Abgrund stürzte, der die europäischen Massenparteien verschlingt, hat sich Schwesig einen Ruf erarbeitet, der mittlerweile fast schon in blindes Vertrauen umschlägt – so sehr, dass manche sie sich als Kanzlerkandidatin der SPD erträumen." Polen "Gazeta Wyborcza": "Die Deutschen verfolgen die Wahlen in beiden Bundesländern mit großer Aufmerksamkeit, weil nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt, wo die CDU eine enorme Niederlage erlitt, die weitere Kanzlerschaft von Merz in Frage gestellt wurde. Als er die Führung der CDU übernahm, hatte Merz versprochen, dass er die Unterstützung für die AfD halbieren würde. Heute wird ihm vorgeworfen, dass er zum Wachsen ihrer Popularität beigetragen hat." USA " CNN ": "Friedrich Merz' CDU steht vor furchtbaren Wahlergebnissen und wird vom Aufschwung der weit rechten AfD und linken Parteien unter Druck gesetzt (...) Das Ergebnis schickt Schockwellen durch Deutschlands politisches Establishment und verstärkt Spekulationen über Merz' Zukunft."