Die Stichwahl um den nächsten Präsidenten in Brasilien ist entschieden. Mit knappem Vorsprung gewann Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva die Wahl. Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien hat sich Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva gegen seinen Herausforderer Flávio Bolsonaro durchgesetzt und sich eine vierte Amtszeit gesichert. Der linksgerichtete Staatschef erhielt bei dem Urnengang am Sonntag dem Wahlgericht zufolge 51,75 Prozent der Stimmen, auf Bolsonaro, den Sohn des früheren rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro , entfielen demnach 48,25 Prozent der Stimmen. Die Wahl in Lateinamerikas größter Volkswirtschaft galt als Richtungsentscheidung. Vor Stichwahl in Brasilien: Angst vor Bolsonaros "perversem Projekt" Evangelikale vor Wahl in Brasilien: "Er ist mit dem Teufel, und wir sind mit Gott" Lula hat seinen Wahlsieg auch als Abstimmung über die Demokratie bezeichnet. Die Brasilianer hätten dafür gestimmt, "die Demokratie zu sichern", sagte Lula am Sonntag. Der wiedergewählte Staatschef versprach zudem eine bessere Regulierung der großen Tech-Plattformen wie Meta. Bolsonaro: Unmöglich, Ergebnis anzuerkennen Kurz darauf meldete sich der unterlegene Bolsonaro zu Wort. Der konservative Präsidentschaftskandidat weigert sich, den Sieg von Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva bei der Stichwahl um das Präsidentenamt anzuerkennen. "Es ist unmöglich, das Ergebnis anzuerkennen", sagte Bolsonaro am Sonntag in Brasília. "Ich werde die Annullierung dieser Wahlen beantragen", fügte Bolsonaro hinzu. Zur Begründung verwies Bolsonaro auf die Verlängerung der Öffnungszeiten der Wahllokale. Die gerichtliche Verlängerung der Abstimmung war aufgrund von Problemen im öffentlichen Nahverkehr notwendig geworden – was Wähler mutmaßlich an der Stimmabgabe hinderte. Der Richter am Obersten Gerichtshof Cristiano Zanin hob zuvor die "Schwere der Vorfälle" hervor. Gericht verlängerte Wahlzeit landesweit Der Richter Cristiano Zanin vom Obersten Gerichtshof (STF) hatte am Sonntag die Stimmabgabe wegen gemeldeter Probleme mit dem öffentlichen Nahverkehr mit Auswirkungen auf die Wähler um zwei Stunden bis 19 Uhr Ortszeit (23 Uhr MEZ) verlängert. Die Anordnung galt landesweit. Die bereits begonnene Auszählung wurde nach der Entscheidung zunächst unterbrochen. Das Wahlbündnis von Lula hatte die Verlängerung beantragt und auf Schwierigkeiten mit Busverbindungen und öffentlichen Verkehrsmitteln in mehreren Bundesstaaten verwiesen. Auch das Wahlkampfteam von Flávio Bolsonaro forderte mehr Zeit für die Stimmabgabe in Teilen von Minas Gerais und Rio Grande do Sul, wo heftige Regenfälle, Überschwemmungen und Stromausfälle den Wahlablauf beeinträchtigt haben sollen. Sheinbaum gratuliert Lula Mexikos linksgerichtete Präsidentin Claudia Sheinbaum hat ihrem brasilianischen Kollegen Luiz Inácio Lula da Silva zu seinem Sieg in der Präsidentenstichwahl gratuliert. "Es lebe die Demokratie, das brasilianische Volk hat gewonnen", schrieb Sheinbaum am Sonntag im Onlinedienst X. "Herzlichen Glückwunsch, Präsident Lula", fügte sie hinzu. Kanadas Premierminister Mark Carney gratulierte Lula ebenfalls auf X zur Wiederwahl. Die Beziehungen zwischen Kanada und Brasilien hätten sich dank der Partnerschaft weiterentwickelt, schrieb er. Man solle diese Gelegenheit nutzen, um sie gemeinsam weiter zu stärken, neue vielversprechende Handelsperspektiven zu eröffnen, die Umwelt zu schützen und beiden Bevölkerungen mehr Wohlstand zu sichern. Knappes Rennen nach Sieg Bolsonaros im ersten Durchgang Rund 159 Millionen Brasilianer waren in dem größten Land Lateinamerikas aufgerufen, zwischen dem linken Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und dem rechten Senator Flávio Bolsonaro zu entscheiden. Das Rennen zwischen den beiden Politikern galt als äußerst knapp. In Umfragen vor der Wahl lagen sie nahezu gleichauf. In der ersten Wahlrunde hatte Flávio Bolsonaro mit rund 47 Prozent der gültigen Stimmen vor Lula mit 45 Prozent gelegen. Der 80-jährige Lula von der linken Arbeiterpartei PT bewarb sich um eine vierte Amtszeit. Er setzt auf Sozialprogramme, staatliche Investitionen und die Fortsetzung seines Regierungskurses. Flávio Bolsonaro von der rechten Liberalen Partei (PL) wirbt mit konservativen Positionen und einem härteren Vorgehen gegen Kriminalität. Aufsehen erregte zudem ein Streit um den öffentlichen Nahverkehr in Salvador im Bundesstaat Bahia. Dort durften laut dem Nachrichtenportal "G1" mindestens 75 Busse zunächst ihre Depots nicht verlassen. Das regionale Wahlgericht ordnete die Festnahme des städtischen Mobilitätssekretärs Pablo Souza wegen eines mutmaßlichen Wahlvergehens an. Die Stadtverwaltung erklärte, es habe Streit um Aufkleber mit der Nummer von Lulas Arbeiterpartei PT auf den Bussen gegeben. Bolsonaro wollte Vater begnadigen Der 45-jährige Flávio Bolsonaro wollte hart gegen die Kriminalität im Land vorgehen und eine halbe Million zusätzliche Haftplätze in Brasiliens Gefängnissen schaffen. Außerdem hat er angekündigt, die Staatsausgaben zurückzufahren. Im Falle seiner Wahl wollte der Politikerspross außerdem seinen Vater und die anderen Teilnehmer des Putschversuchs gegen Lula begnadigen. Der 45-jährige Bolsonaro hat sich in der Frage des Einsatzes tödlicher Gewalt im Kampf gegen Drogenbanden auf die Seite von Präsident Trump gestellt. Er hatte angeboten, Brasiliens riesige Vorkommen an kritischen Mineralien zu nutzen, um die Abhängigkeit der USA von China zu verringern. Jair Bolsonaro hatte die Präsidentschaftswahl 2022 knapp gegen Lula verloren, Tausende seiner Anhänger stürmten daraufhin das Regierungsviertel in Brasília. Ein Gericht verurteilte den Ex-Präsidenten wegen eines geplanten Staatsstreich zu 27 Jahren Gefängnis. Aus gesundheitlichen Gründen befindet sich der 71-Jährige derzeit im Hausarrest.