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Elif Eralps Angst vor Terrorunterstützer Ibrahim: Experte ordnet ein

Eine Anmerkung von Elif Eralp zeigt ihre Angst vor Terrorunterstützern, die Verbindungen zu ihrer Partei haben. Ein Extremismusexperte ordnet die Gefahr des Milieus und die Folgen für die Linken ein. Die Berliner Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp hat bei einer Freigabe eines "Spiegel"-Interviews versehentlich eine brisante Notiz mitgeschickt. Darin offenbarte sie die Angst, Namen von Terrorunterstützern konkret zu nennen. Dabei pflegen Teile ihrer Partei enge Kontakte zu genau diesen Personen. Im Fokus von Eralps Anmerkung stand dabei Ibrahim Ibrahim, ein in Berlin weit vernetzter Pro-Palästina-Aktivist mit Verbindungen zu Terrororganisationen. Der Extremismusexperte Linus Kebba Pook erklärt im t-online-Interview, warum er Eralps Reaktion verstehen kann und welche Gefahr von Ibrahim ausgeht. Zudem sieht er große Probleme innerhalb der Berliner Linken, die sich in dem Vorfall zeigten. Eralp hat "Angst vor diesen Leuten": Eine Mail entlarvt die Lebenslüge der Linken Berliner Linksbündnis: Die SPD-Erzählung entpuppt sich als Märchen Herr Kebba Pook, können Sie nachvollziehen, dass sich Elif Eralp eingeschüchtert fühlt? Ich kann diese Sorgen sehr gut nachvollziehen. Ibrahim Ibrahim, der in der Notiz namentlich genannt wird, ist Aktivist aus dem Umfeld einer Terrororganisation, der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP). Die Angst davor ist grundsätzlich verständlich. In ihrem Kommentar hat Eralp auf ihren Mann und ihre Familie verwiesen, sie hat zwei Kinder. Ihr Pressesprecher betonte anschließend, dass sie wiederholt Drohungen erhalten habe. Wie groß ist die Gefahr für ihre Familie und ihr Privatleben? Das ist ein sehr wichtiger Punkt, den man thematisieren muss. Vereinzelt liest man Häme über diese Angst. Das halte ich für völlig unangebracht. Sie ist noch nicht Regierende Bürgermeisterin und genießt daher noch nicht den Schutz, den der Regierende Bürgermeister hat. Ihre Gefährdungslage ist also eine völlig andere. Sie hat sich diese Situation nicht ausgesucht und trägt keine Schuld daran. Es ist keine persönliche Schwäche. Man sollte deswegen niemandem die Eignung für das Amt absprechen. Man muss vielmehr mit maximaler Härte gegen die Strukturen vorgehen, von denen diese Bedrohung ausgeht. Meinen Sie Ibrahim Ibrahim? Es bleibt für mich offen, worauf diese Angst genau abzielt. In der internen Notiz erklärt sie das nicht ausdrücklich. Es gibt aber keine Hinweise darauf, dass Ibrahim in den vergangenen Jahren mit direkten, gezielten Gewalttaten oder Einschüchterungen in Verbindung gebracht worden wäre. Das würde auch nicht zur Strategie passen. Noch interessanter finde ich die Frage, inwiefern es sich auch um eine politische Angst handelt: die Angst vor politischem Einfluss, den eine Figur wie Ibrahim Ibrahim heute in Berlin offenbar hat. Ibrahim Ibrahim taucht immer wieder bei Veranstaltungen der Linken auf. Welche Rolle spielt er in Berlin? Wir beobachten Ibrahim seit rund zehn Jahren und kennen sein Wirken sehr genau. Er ist eine der Schlüsselfiguren, denen es gelingt, ein breites aktivistisches Milieu mit einem sehr radikalen Kern israelfeindlicher Gruppierungen zu verbinden. Er bewegt sich seit Jahrzehnten im Umfeld der PFLP. Geheimdienstunterlagen beschreiben ihn bereits in den 1980er-Jahren als Figur der West-Berliner PFLP. Wie sieht es mittlerweile aus? Diese Kontakte pflegt er bis heute. Auch in den sozialen Medien ist er eng mit Funktionären der PFLP verbunden und trägt deren Narrative, aber auch deren strategische Bemühungen in den Westen. In Berlin zeigt sich das vor allem daran, dass er eine zentrale Figur bei der Anmeldung von Protesten war und ist. Dort kam es immer wieder zu antisemitischen Vorfällen, auch zu militanten Auseinandersetzungen. In den vergangenen ein, zwei Jahren hat sich seine Rolle aus meiner Sicht noch einmal verändert. Inwiefern? Früher trat er unter dem Label Demokratisches Komitee Palästinas auf, einem sehr kleinen Verein älterer Menschen mit eher zweifelhafter Außenwirkung: Im Vereinsregister steht etwa noch immer seine Frau als Vorstandsmitglied, obwohl sie seit Jahren tot ist. Zuletzt trat Ibrahim eher unter dem Label Vereinigtes Palästinensisches Nationalkomitee (VPNK) auf und bekam damit ungeahnte Aufmerksamkeit. Warum? Weil er sich teils als legitimer Vertreter der Palästinenser in Berlin inszeniert. Er tritt bei Amnesty International oder beim Solidaritätsfest der Neuköllner Linken auf und wird dort als die palästinensische Stimme wahrgenommen. Dabei steht er nachweislich einer Terrororganisation sehr nahe, die direkt am 7. Oktober beteiligt war. Wie hat er es geschafft, so eng mit der Linken verbandelt zu sein und mit einzelnen Politikern in so engem Kontakt zu stehen? Es handelt sich um gezielte Einflussnahme; er geht extrem strategisch vor. Noch vor einigen Jahren war er eng mit der marxistischen Partei MLPD verbunden und hat zu ihrer Wahl aufgerufen. In diesem Jahr rief er in Berlin dazu auf, die Linke zu wählen. Das zielte genau auf das, was jetzt eingetreten ist: eine massive Aufwertung seiner politischen Bedeutung. Seit knapp fünf Wochen erleben wir, wie ein sehr kleiner Kreis israelfeindlicher Aktivisten im Grunde die gesamte Berliner Landespolitik bestimmt und Einfluss auf die Regierungsbildung nimmt. Wie ausgeprägt sind die Strukturen von Terrorunterstützern und Sympathisanten in Berlin über Ibrahim Ibrahim hinaus? Die Lage hat sich seit Ende 2025 verändert. Die Zeit der großen Massenproteste mit 30.000 Teilnehmern ist vorbei. Wir sehen jetzt einen harten Kern, der sich aus unserer Sicht immer weiter radikalisiert hat. Dabei handelt es sich vor allem um einzelne Akteure aus dem PFLP-Umfeld, die stets sehr deutlich gemacht haben, dass es ihnen darum geht, die Grenzen der Solidaritätsproteste zu verschieben und auszuweiten. Sie störten sich etwa an Protesten, auf denen eine friedliche Zweistaatenlösung gefordert wurde, und erklärten ausdrücklich: Uns geht es um die Befreiung von ganz Palästina und damit um das Ende Israels. Die Haltung reicht offenbar bis in das politische Denken von Mitgliedern des Abgeordnetenhauses hinein, die der Ansicht sind, es gebe kein Existenzrecht für Staaten, konkret für Israel . Sie meinen die Linken-Abgeordnete Vanessa Emde. Die Auseinandersetzung über sie dauert schon seit zwei Wochen an. Offenbar scheut man sie. Man muss diese Auseinandersetzung aber führen und eine Entscheidung herbeiführen. Den Konflikt immer weiter zu verschleppen, hilft nicht. Sollte sich in der möglichen neuen Fraktion keine Zweidrittelmehrheit für den Ausschluss von Emde finden, wäre das aus meiner Sicht ein bestürzendes Signal. Es wäre dann aber womöglich eine Entscheidung, die man hinnehmen muss und aus der SPD und Grüne ihre Konsequenzen ziehen. Es gibt in der Linken also ein Spannungsfeld: Einerseits arbeiten linke Abgeordnete eng mit solchen Leuten zusammen. Andererseits traut sich die mögliche Regierende Bürgermeisterin offenbar nicht, dagegen vorzugehen. Absolut, die Partei ist außer Kontrolle geraten. Es ist das eingetreten, was wir befürchtet haben: Die Partei hat sich von einem sehr kleinen Kreis sehr radikaler Akteure abhängig gemacht, der nun die ganze Partei und damit auch die Landespolitik vor sich hertreibt. Es gibt Akteure in der Partei, die offenbar nicht zu Kompromissen bereit sind, um vernünftig Regierungsverantwortung übernehmen zu können. Sie dominieren die Schlagzeilen, aber auch die innerparteiliche Debatte darüber, wie man in die Gespräche geht und welche Kompromisse man bei der Regierungsbildung eingeht. Welche Rolle spielen die Terrorsympathisanten um Ibrahim dabei? Die Bewegung beansprucht einen großen Anteil am Erfolg der Linken, zumindest in Neukölln , einem sehr wichtigen Bezirk. Sie wird sich nicht damit zufriedengeben, dass sich die Partei jetzt von einzelnen Akteuren trennt. Was bedeutet das für die Politik einer möglichen rot-grün-roten Regierung, wenn die Regierungschefin sich nicht traut, bestimmte Namen auszusprechen? Ich halte das für äußerst problematisch. Ich möchte aber betonen, dass es sich um eine interne Kommunikation handelte. Ich bin mir nämlich sicher, dass das keine Haltung ist, die Frau Eralp selbst so nach außen tragen würde. Grundsätzlich erwarte ich von Menschen, die auf dieser Ebene politische Verantwortung übernehmen, dass sie Probleme ansprechen. Angst als Emotion – im vertrauten Kreis formuliert – ist nachvollziehbar, legitim und sehr verständlich. Was muss jetzt folgen? Die Parteiführung tut gut daran, sich aktiv des Problems anzunehmen. Sie sollte den schiefen Eindruck geraderücken, der entstanden ist, und Position beziehen. Elif Eralp hat im Abgeordnetenhaus auf die Berichterstattung reagiert und gesagt, sie werde sich von niemandem einschüchtern lassen. Ist das glaubwürdig? Ja. In den vergangenen Wochen und Monaten hatte ich nicht den Eindruck, dass sie in der Auseinandersetzung mit diesen Akteuren oder mit Antisemitismus ängstlich oder unentschlossen vorgeht. Selbst sehr direkte Widersacher wie Stefan Evers haben ihr kein ideologisches Problem vorgeworfen. Die Frage ist vielmehr, ob sie ihre Haltung innerhalb der Partei durchsetzen kann. Ich glaube nicht, dass sie sich von Figuren wie Ibrahim Ibrahim einschüchtern lässt. Der Eindruck, der jetzt entstanden ist, ist aus meiner Sicht aber verheerend, und sie tut gut daran, ihn zu korrigieren. Ziel der internen Notiz war, den Namen Ibrahim Ibrahim nicht zu nennen. Durch die Veröffentlichung ist genau das Gegenteil eingetreten: Der Name ist prominenter in der Öffentlichkeit als je zuvor. Welche Folgen hat das? Ich denke nicht, dass durch die Nennung ein großes Problem entsteht. In den vergangenen Wochen wurde mehr oder weniger offen thematisiert, wo das Problem liegt und welche Personen konkret dafür stehen. Die Linke hat nicht gut daran getan, bei der Figur Ibrahim Ibrahim solche Ausweichmanöver zu fahren. Insofern finde ich es eigentlich richtig, dass der Name jetzt so prominent auf den Tisch gekommen ist. Ibrahim ist eine zentrale Figur, wenn man verstehen will, welches Problem Teile der Linken in Berlin mit Antisemitismus und Terrorverherrlichung haben. Herr Kebba Pook, vielen Dank für das Gespräch!

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