Bayern reist mit Verletzungssorgen nach Madrid zum richtungsweisenden Duell mit Atlético. Überrascht Danks in der Offensive mit den Mittelfeld-"Zwillingen"? Aus Madrid berichtet Julian Buhl Mit zahlreichen Sorgen im Gepäck landete der FC Bayern am Montagabend an seinem großen Sehnsuchtsort in Madrid. Dort bestreiten die Münchner am Dienstagabend (21 Uhr im Liveticker bei t-online) im Estadio Metropolitano am vierten Spieltag der Champions-League-Ligaphase nun eins der schwierigsten Auswärtsspiele überhaupt bei Atlético Madrid . Und genau dorthin wollen sie im kommenden Jahr am 5. Juni unbedingt wieder zurückkommen. Dann wird das Finale der Königsklasse schließlich dort ausgetragen. Bis dahin liegt aber noch ein weiter und harter Weg vor dem deutschen Rekordmeister. Und ausgerechnet in dem richtungsweisenden Spiel bei Atlético müssen die Bayern nun auf zahlreiche Stars verzichten. Nach den Verletzungen, die Ismael Saibari (OP am Fuß) und Serge Gnabry (Muskelverletzung) am Samstag gegen Dortmund (2:2) erlitten haben, wird es vor allem in der Offensive langsam dünn. Auch Jamal Musiala (Muskelfaserriss) und Luis Díaz (Muskelbündelriss), die am Montag immerhin wieder erste individuelle Einheiten absolvierten, stehen den Bayern schließlich weiter nicht zur Verfügung. Und jetzt auch noch das: Bayerns Misere nimmt kein Ende Nach Bayern-Comeback: Kimmich äußert sich zum Tod seines Vaters Immerhin konnte der ebenfalls angeschlagene Michael Olise am Montag mit einer Kniebandage trainieren und auch die Dienstreise in die spanische Hauptstadt mit antreten. Auch Kapitän Manuel Neuer , der zuletzt über Fußprobleme klagte, saß mit im Flieger. Danks gibt Update zu Olise und Neuer Assistenzcoach Aaron Danks, der seinen erkrankten Chefcoach Vincent Kompany weiter vertritt, sagte am Montag bei der Pressekonferenz im Bauch des Metropolitano-Stadions, dass beide Spieler "verfügbar" seien. "Wir müssen nur sehen, ob es für einen Startelfeinsatz reicht oder ob sie von der Bank kommen." Die große Frage lautet also weiterhin vor allem, wer neben Weltfußballer Harry Kane gegen Atlético in der Angriffsreihe der Münchner stehen wird. "Ich habe noch keine Ahnung und wenn ich es wüsste, würde ich es nicht verraten", sagte Kane auf t-online-Nachfrage als Danks Vorredner bei der Pressekonferenz. Es ist davon auszugehen, dass die Bayern alles daransetzen werden, dass Olise spielen kann. "Wenn nichts kaputtgehen kann und der Junge fühlt sich bereit, dann würde man den Schritt gehen", sagte Sportvorstand Max Eberl über den Franzosen. "Aber wenn es eine hohe Gefahr der Verletzung gäbe, dann müsste man sich das überlegen." Die weiteren Optionen heißen Lennart Karl sowie die beiden eigentlichen Linksverteidiger Alphonso Davies und Nathaniel Brown . Auch Tom Bischof könnte theoretisch aus dem zentralen Mittelfeld auf die Zehn vorrücken. Und zumindest als Einwechselspieler steht auch noch Jungprofi Tim Binder als Alternative bereit. Der 19-Jährige, der zuletzt als Torschütze beim Sieg im Regionalligaderby gegen 1860 glänzte, hat auch bei den Profis bereits Eindruck hinterlassen. In der Vorbereitung fiel er vor allem im Rahmen der Asienreise mit seiner frechen und unbekümmerten Art und auf dem Platz positiv auf. Kane witzelt über Bayern-"Zwillinge" Weil Binder gewisse optische Ähnlichkeiten mit Bischof hat, nannte der ihn prompt als seinen "Bruder". Und Teamkollege Aleksandar Pavlović witzelte: "Die sehen einfach gleich aus." Von t-online darauf angesprochen witzelte Kane: "Ich weiß nicht, ob er oder Bischi der besser aussehende Zwilling ist. Da gibt es einen harten Konkurrenzkampf." Binder habe sich aber "wirklich gut entwickelt", sich gut integriert und trainiere auch sehr gut. Auch Kane erinnerte an die Spielzeit, die der Flügelspieler in der Saisonvorbereitung bekommen habe. "Es war gut für ihn, dass er am Mittwoch im Pokal auf dem Platz stehen konnte", so Kane weiter. "Wenn man ein paar verletzte Spieler hat, ist das manchmal die Chance für einen jungen Spieler. Genau dafür trainiert man und bringt sich in eine solche Situation, um hoffentlich seine Chance nutzen zu können." Vielleicht werde Binder auch in Madrid "ein paar Minuten spielen". Die Voraussetzungen dafür habe er jedenfalls im Training geschaffen. "Junge Spieler sind immer besonders motiviert, sich zu beweisen." Möglicherweise lässt Danks in Madrid auch erstmals beide Mittelfeld-"Zwillinge" los. Rocky-Qualitäten gegen die Rabaukentruppe gefragt Eberl beschwor auf dem Weg nach Madrid insgesamt "Nehmerqualitäten" wie bei Sylvester Stallone in dessen berühmten Boxer-Filmen: "Wir müssen Rocky-Qualitäten haben. Wir müssen einstecken." Das dürfte im Duell mit dem vom argentinischen Chefcoach Diego Simeone angeführten Atlético in jedem Fall gefragt sein. Ex-Bayern-Kapitän Thomas Müller hatte die Madrilenen, die bekannt dafür sind, die Grenzen des Erlaubten dabei häufig bis zum Äußersten auszureizen, nicht umsonst einmal als "die größten Rabauken im europäischen Fußball" bezeichnet. Die Ausgangslage verspricht jedenfalls eine umkämpfte Partie. Denn sowohl Atlético (vier Punkte) als auch die Bayern (fünf Punkte) brauchen nach mehreren Patzern nun eigentlich unbedingt einen Sieg, um nicht weiter den Anschluss an die Top-8 zu verlieren. "Der Kakadu ist bereit für unseren nächsten Titel" Das Gastspiel bei Atlético soll für die Bayern aber nur ein kurzer Zwischenstopp sein. Sie sind schließlich mit dem klaren Ziel angereist, unbedingt in knapp einem halben Jahr noch einmal ins Estadio Metropolitano zurückzukehren. Um dort dann mit ihrem Kult-Porzellan-Kakadu möglichst den Titeltriumph zu feiern. Von t-online darauf angesprochen, sagte Chefaufpasser Danks mit einem Grinsen: "Der ikonische Kakadu. Ich weiß momentan gar nicht, wo er sich aufhält. Er zeigt sich offensichtlich bei den Spielen, bei denen es um Titel geht. Momentan versteckt er sich irgendwo." Als Symbol tue der Kakadu den Bayern trotzdem gut, erklärte Danks weiter. "Er hat sich positiv auf die Stimmung innerhalb der Mannschaft ausgewirkt und erinnert uns auf schöne Weise daran, wo wir angefangen haben mit unserem ersten gemeinsamen Titel." Erstmals in Erscheinung getreten war die Porzellanfigur nach der Meisterfeier vor zwei Jahren im Münchner Edelrestaurant "Käfer", wo die Bayern-Stars den Kakadu heimlich entwendeten. "Ich bin mir sicher, dass es ihm gut geht", sagte Danks zum Abschluss, "dass er in Sicherheit ist und bereit für unseren nächsten Titel." Am liebsten würden die Bayern in knapp einem halben Jahr gemeinsam dafür mit ihrem Kakadu zurück nach Madrid fliegen.