Was kommt nach Trumps Niederlage auf die USA und die Welt zu? Eine Phase gesteigerter Unberechenbarkeit, sind sich die Talkgäste bei "Maischberger" einig. Donald Trumps Republikaner haben bei den Midterm-Wahlen eine deutliche Niederlage kassiert und die Mehrheit in beiden Kongresskammern verloren. Mit ihrer ARD-Diskussionsrunde versuchte Sandra Maischberger auszuloten, wie es nach dem überraschend klaren Ergebnis in den USA selbst und international weitergehen wird. Einig waren sich die Talkteilnehmer vor allem darin, dass Trump unberechenbar bleiben und die Botschaft der Wähler ignorieren dürfte. Die Gäste Franziska Giffey (SPD), Berliner Wirtschaftssenatorin Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), Ex-Bundesverteidigungsminister John Bolton, ehemaliger Trump-Sicherheitsberater Hannes Jaenicke , deutsch-amerikanischer Schauspieler Beatrice Achterberg, "NZZ"–Redakteurin Markus Feldenkirchen, "Spiegel"-Journalist "Er hat ja wirklich nichts mehr zu verlieren", stellte etwa Markus Feldenkirchen fest. Da könnten Trump die eigenen Popularitätswerte auch egal sein. Eine Freiheit, die der US-Präsident nach Einschätzung des "Spiegel"-Journalisten mit der ihm eigenen Trotzigkeit genießen werde. Hannes Jaenicke mutmaßte, dass Trump sich jetzt zuvorderst um Prestigeprojekte kümmern werde, darunter den Ballsaal im Weißen Haus und den geplanten Washingtoner Triumphbogen . "Der wird sich erst mal damit beschäftigen, sich selbst Denkmäler zu setzen, die der Steuerzahler bezahlt", sagte der deutsch-amerikanische Schauspieler. Jaenicke nennt Gründe für Niederlage der Republikaner Dabei hätten gerade die Themen Selbstbereicherung und Lebenshaltungskosten im Wahlkampf den Unterschied gemacht. "Die Amerikaner wählen historisch immer mit dem Geldbeutel", erklärte Jaenicke und verwies auf die stark gestiegenen Preise für Lebensmittel und Treibstoff. Gleichzeitig hätten sich viele Migranten aufgrund des unverhältnismäßigen Vorgehens der US-Einwanderungsbehörde ICE von Trump abgewendet. Das gezielt und geschickt von den Demokraten gesetzte Thema Korruption habe in den USA "wirklich einen Nerv getroffen", befand auch Karl-Theodor zu Guttenberg. Der ehemalige Verteidigungsminister warnte allerdings davor, den Wahlerfolg der Trump-Widersacher zu überschätzen. Es sei zwar mit Sicherheit eine Wahl gegen Trump gewesen, aber möglicherweise keine für die Demokraten. Trump könne zwar innenpolitisch nicht alles blockieren, aber er werde vermehrt mit Dekreten arbeiten, weiterhin polarisieren und nicht zuletzt versuchen, das gegnerische Lager zu spalten. "Die Demokraten sind kein homogener Haufen", konstatierte der CSU-Mann. Spürbare Risse machten die Talkteilnehmer auch im Trump-Lager aus. Die desaströsen Zwischenwahlen seien für den US-Präsidenten der Anfang vom Ende, urteilte der zugeschaltete US-Republikaner John Bolton. Trumps MAGA-Koalition falle gerade zusammen, wie sich etwa an den Absetzbewegungen des Vizepräsidenten JD Vance zeige. Vance geht auf Abstand In einem viel beachteten Beitrag auf der Plattform X hatte Vance sich kurz nach Bekanntwerden der Wahlniederlage gegen Trumps Erklärungsversuche gestellt und einen Kurswechsel, vor allem in Sachen Iran-Krieg, gefordert. "Vance und Trump werden wahrscheinlich interessante Gespräche führen in den nächsten paar Tagen", scherzte der ehemalige Trump-Sicherheitsberater diesbezüglich. Was Trumps weiteres Vorgehen im Iran angehe, könne man nur raten, erläuterte Bolton. Schließlich wisse der US-Präsident selbst nicht, was er vorhabe. "Er wird es jetzt herausfinden müssen", resümierte der US-Diplomat. Zu Guttenberg spekulierte hingegen, dass Trump versuche, sich mit seinem Handeln im Iran unsterblich zu machen. "Den Friedensnobelpreis wird es ihm nicht um den Hals bringen, aber vielleicht hofft er damit irgendwann noch sein hübsches Gesicht in den Mount Rushmore geschnitzt zu bekommen", so die ironische Einschätzung des ehemaligen Bundesverteidigungsministers im Wortlaut. "Das kann die SPD nicht akzeptieren" Damit ließ die Talkrunde Trump Trump sein und widmete sich einem innenpolitischen Thema, das seit Wochen für Schlagzeilen sorgt: der Regierungsbildung in Berlin . Das angestrebte Bündnis zwischen Linken, Grünen und Sozialdemokraten ist unter anderem wegen des Vorwurfs gefährdet, die Linke habe ihr parteiinternes Antisemitismus-Problem nicht im Griff. Im Rahmen der Freigabe eines "Spiegel"-Interviews war zusätzlich ungewollt bekannt geworden, dass Elif Eralp, die Spitzenkandidatin der Linken, und ihre Familie Angst vor dem terrornahen Pro-Palästina-Aktivisten Ibrahim Ibrahim haben, der Kontakt zu Teilen ihrer eigenen Partei pflegt. Die umstrittene Berliner Linke-Politikerin Vanessa Emde solidarisierte sich sogar ausdrücklich mit dem Hamas-Sympathisanten. "Das kann die SPD nicht akzeptieren", urteilte Feldenkirchen und vermutete, dass sich die Linke von Kräften wie Emde gar nicht trennen wolle. Der "Spiegel"-Journalist erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass es zwar distanzierende Papiere gebe, Emde aber weiterhin Teil der Fraktion sei. Giffey: Werde mich dagegen positionieren Auch die sozialdemokratische Berliner Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey zeigte sich skeptisch hinsichtlich einer Zusammenarbeit ihrer Partei mit der Linken in Berlin. Dabei führte Giffey als Regierende Bürgermeisterin der Stadt zwischen Dezember 2021 und April 2023 selbst eine rot-grün-rote Koalition an. "Seitdem ist viel passiert, es hat sich viel verändert", gab Giffey zu bedenken. Die Basis der Linken habe sich in der Zwischenzeit verdreifacht und sehe den Nahost-Konflikt als das zentrale Thema an. Zwar sei Eralp selbst "eine ganz nette, freundliche Person", die in der Stadt etwas Gutes bewegen wolle. Es stelle sich aber die Frage, welche Kräfte dahinter stünden. "Die Themen, die jetzt schon auf dem Tisch sind, die wiegen zu schwer, als dass man in so eine Koalition gehen kann. Deswegen werde ich mich dagegen positionieren", sagte die Sozialdemokratin. Die Verhandlungen zwischen Linken, Grünen und SPD laufen aktuell allerdings wie vorgesehen weiter und sollen laut Beteiligten im Januar abgeschlossen sein. Anschließend ist geplant, die Mitglieder der Parteien zum Koalitionsvertrag zu befragen.