Logistikzentrum in Erfurt: Fronten bei Zalando verhärtet - kein Gespräch
Die Auseinandersetzung um das Aus für das Erfurter Zalando-Logistikzentrum geht weiter. Der Betriebsrat übt Kritik am Vorstand des Dax-Konzerns.
Der Betriebsrat des von einer Schließung bedrohten Zalando-Logistikzentrums in Erfurt wirft dem Vorstand vor, ein Gesprächsangebot verstreichen zu lassen. Nach der Übergabe von 1.250 Karten mit Sorgen und Forderungen von Belegschaftsmitgliedern und ihren Angehörigen in der vergangenen Woche in Berlin habe die Arbeitnehmervertretung ein Treffen ohne Anwälte und Berater vorgeschlagen, erklärte der Betriebsrat. Es gehe darum, "die festgefahrene Situation zu lösen und die für die Belegschaft zermürbende Ungewissheit zu beenden".
Die offizielle Anfrage des Betriebsrates sei unbeantwortet geblieben. Das Unternehmen habe aus Sicht des Betriebsrates den Weg einer einseitigen Kommunikation gewählt, indem es ein Schreiben von Co-Vorstand David Schröder an die Belegschaft veröffentlichte, in der er sich erneut für die Einsetzung einer Einigungsstelle aussprach.
Zalando äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen.
Betriebsrat fühlt sich provoziert
"Dieses Vorgehen ist zutiefst enttäuschend und markiert einen neuen Tiefpunkt in der Kommunikation zwischen dem Betriebsrat und der Unternehmensführung", erklärt Betriebsratschef Tony Krause. Er sprach von einer Provokation. Gegen die Einsetzung einer Einigungsstelle wehrt sich der Betriebsrat vor dem Thüringer Landesarbeitsgericht.
Bei der kürzlich erfolgten Betriebsratswahl sei das Gremium in nahezu unveränderter Besetzung bei einer hohen Wahlbeteiligung im Amt bestätigt worden. Der Betriebsrat wertete das als "eindeutiges Mandat und breite Zustimmung der Kolleginnen und Kollegen zu seinem bisherigen Kurs".
Zalando will das Erfurter Logistikzentrum, mit dem der Online-Modehändler groß geworden ist, im September schließen. Damit würden alle 2.700 Arbeitnehmer ihren Job in Erfurt verlieren. Der Konflikt schwelt seit Jahresbeginn, inzwischen hat es zwei Betriebsversammlungen - zuletzt ohne Managementvertreter - sowie eine Demonstration von Arbeitnehmern und Unterstützern in Erfurt gegeben.